IHK-Präsidentin Caroline Trips präsentiert mit Christian Seynstahl, Elena Fürst und Sascha Genders den neuen Standortreport Mainfranken 2026 in Würzburg.
Vorstellung des neuen IHK-Standortreports Mainfranken in Würzburg: (von links) Dr. Christian Seynstahl, IHK-Präsidentin Caroline Trips, Elena Fürst und Dr. Sascha Genders. Foto: Marcel Pigl/Social Melon

IHK-Standortreport: Landkreis Schweinfurt liegt mit Note 2,3 an der Spitze

Region - Mainfranken insgesamt schlechter bewertet – Stadt Schweinfurt und Landkreis Haßberge schneiden besonders kritisch ab

Der Landkreis Schweinfurt ist laut dem neuen Standortreport der IHK Würzburg-Schweinfurt der am besten bewertete Wirtschaftsstandort in Mainfranken. Mit der Schulnote 2,3 liegt er vor dem Landkreis Main-Spessart mit 2,5. Deutlich kritischer beurteilen die Unternehmen hingegen die Standortbedingungen in der Stadt Schweinfurt und im Landkreis Haßberge.

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Insgesamt erhält der Wirtschaftsstandort Mainfranken die Note 2,7. Damit fällt die Bewertung schlechter aus als bei den vorherigen Erhebungen. Im Jahr 2021 lag die Gesamtnote noch bei 2,5, im Jahr 2016 bei 2,4.

Für die Neuauflage des Standortreports wurden zwischen März und Juli rund 2.500 Mitgliedsunternehmen zu 64 Einzelindikatoren aus sechs Themenfeldern befragt.

Landkreis Schweinfurt schneidet regional am besten ab

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Mainfrankens. Während der Landkreis Schweinfurt mit der Note 2,3 an der Spitze steht, fallen die Bewertungen für die Stadt Schweinfurt und den Landkreis Haßberge vergleichsweise kritisch aus.

IHK-Präsidentin Caroline Trips sieht darin einen Hinweis auf die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Die detaillierte Auswertung soll den einzelnen Kommunen und Landkreisen ermöglichen, ihre Stärken und Schwächen besser zu erkennen und voneinander zu lernen.

Lebensqualität und Verkehrsanbindung überzeugen Unternehmen

Trotz der insgesamt rückläufigen Bewertung zeigt die Untersuchung zahlreiche Standortvorteile. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen bewertet ihren Standort mit „gut“ oder „sehr gut“. Im Bereich Verkehr und Logistik sind es sogar etwa zwei Drittel.

Die IHK identifiziert insgesamt 20 ausgeprägte Standortstärken. Dazu gehören insbesondere die Lebensqualität, die natürliche Umgebung, das Kultur- und Freizeitangebot sowie die medizinische Versorgung.

Positiv bewertet werden außerdem die Anbindung an das Fernstraßennetz, die Erreichbarkeit für den Lieferverkehr und die Sicherheit der Energieversorgung.

Auch bei der digitalen Infrastruktur hat sich nach Einschätzung der befragten Betriebe einiges verbessert. Im Vergleich zu 2016 werden die Breitbandversorgung und die Mobilfunkanbindung deutlich positiver beurteilt. Fortschritte sehen die Unternehmen ebenfalls bei der Praxisnähe der Schulen.

Nach Einschätzung der IHK gewinnt gerade die Lebensqualität im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte zunehmend an Bedeutung. Neben Verdienstmöglichkeiten und beruflichen Perspektiven spiele auch das private Lebensumfeld eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für einen Arbeitsort.

Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren belasten die Wirtschaft

Neben den Standortvorteilen macht der Report erheblichen Handlungsbedarf deutlich. Besonders häufig kritisieren die Unternehmen langwierige Genehmigungsverfahren.

Auch die Erreichbarkeit und Serviceorientierung der Behörden sowie fehlende digitale Verwaltungsangebote werden als Probleme genannt.

Weitere Kritikpunkte betreffen die Attraktivität der Innenstädte, den Zustand der Straßen und das verfügbare Wohnraumangebot.

Die Dauer behördlicher Genehmigungsverfahren wird dabei branchenübergreifend und in nahezu allen Landkreisen als Belastung wahrgenommen.

IHK-Präsidentin Caroline Trips sieht insbesondere Politik und Verwaltung in der Verantwortung. Vier der fünf dringendsten Handlungsfelder könnten auf kommunaler oder regionaler Ebene beeinflusst werden.

Energie- und Arbeitskosten werden zunehmend kritisch gesehen

Im Zehnjahresvergleich haben sich mehrere Standortfaktoren verschlechtert. Dazu zählen die Energiekosten, die Verfügbarkeit gewerblicher Flächen sowie die Lohn- und Arbeitskosten.

Auch die Widerstandsfähigkeit der regionalen Wirtschaft gegenüber wirtschaftlichen Krisen wird inzwischen skeptischer beurteilt als noch 2016.

Die Entwicklung spiegelt sich in den Überlegungen einzelner Unternehmen wider. Knapp zehn Prozent der befragten Betriebe ziehen mittlerweile eine Aufgabe ihres Standortes in Betracht. Bei der ersten Erhebung im Jahr 2016 waren es noch gut zwei Prozent.

Allerdings planen rund zwei Drittel der Unternehmen derzeit keine Standortveränderung. Etwa jedes fünfte Unternehmen beabsichtigt sogar eine Erweiterung.

Mehrheit der Unternehmen hält Mainfranken die Treue

Trotz gestiegener Kosten, wirtschaftlicher Unsicherheiten und bürokratischer Belastungen bleibt die grundsätzliche Bindung vieler Betriebe an Mainfranken bestehen.

Fast drei Viertel der befragten Unternehmen würden sich nach Angaben der IHK erneut für einen Standort in der Region entscheiden.

Für IHK-Präsidentin Caroline Trips ist dies ein wichtiges Signal. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass die schlechtere Gesamtnote und die zunehmenden Überlegungen zur Standortaufgabe ernst genommen werden müssten.

Ergebnisse sollen in die Kommunalpolitik einfließen

Die IHK will die Ergebnisse des Standortreports nun an die politischen Entscheidungsträger in Mainfranken weitergeben. Dazu zählen Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Wirtschaftsförderer und Abgeordnete.

Geplant sind Beratungen in den IHK-Gremialausschüssen sowie regionale Gespräche mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Im Mittelpunkt sollen insbesondere schnellere Genehmigungsverfahren, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und die Weiterentwicklung der Innenstädte stehen.

Für Stadt und Landkreis Schweinfurt liefert der Report damit unterschiedliche Ausgangspunkte: Während der Landkreis im regionalen Vergleich die beste Bewertung erreicht, besteht insbesondere für die Stadt Schweinfurt nach Einschätzung der befragten Unternehmen Verbesserungsbedarf bei den Standortbedingungen.

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