Bei der großangelegten Aktion am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in Nordrhein-Westfalen und Bayern entdeckten die Einsatzkräfte unter anderem eine professionelle Fälscherwerkstatt, eine scharfe Schusswaffe und erhebliche Bargeldbestände.
Ermittlungen aus Unterfranken führen zu bundesweitem Netzwerk
Die Polizei Aschaffenburg und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln bereits seit 2025 gegen eine größere Gruppierung. Hierfür wurde eigens die Ermittlungskommission „Kiosk“ eingerichtet.
Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Personen, denen unter anderem banden- und gewerbsmäßige Urkundenfälschung sowie banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern vorgeworfen werden.
Was zunächst mit Ermittlungen gegen Personen begann, die gefälschte Sprachzertifikate verwendet haben sollen, entwickelte sich zu einem umfangreichen Verfahren gegen mutmaßliche Hersteller und Vertreiber solcher Dokumente.
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Beschuldigten Sprachzertifikate für eine dreistellige Anzahl von Personen illegal beschafft und dadurch Geld verdient haben.
Die Ermittler gehen inzwischen von einer mittleren zweistelligen Anzahl tatverdächtiger Personen aus. Die einzelnen Mitglieder der Gruppierung sollen unterschiedliche Aufgaben übernommen haben.
Die Spuren reichen über mehrere Bundesländer hinaus bis nach Österreich und in weitere europäische Staaten.
Gefälschte Dokumente und Stellvertreter bei Sprachprüfungen
Die Ermittler haben nach eigenen Angaben zwei wesentliche Vorgehensweisen festgestellt.
Zunächst sollen Antragsteller bei Ausländerbehörden vollständig gefälschte Sprachzertifikate vorgelegt haben, um damit die sprachlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung oder eine Niederlassungserlaubnis nachzuweisen.
Nachdem die Behörden verstärkt auf mögliche Fälschungen achteten, sollen die Beteiligten zunehmend auf eine andere Methode zurückgegriffen haben.
Dabei nahmen sogenannte Stellvertreter an Sprachprüfungen teil. Anstelle des eigentlichen Antragstellers erschien eine andere Person zur Prüfung und gab sich mithilfe eines gefälschten Identitätsdokuments als dieser aus.
Auf diese Weise sollten offenbar echte Prüfungsnachweise unter falscher Identität erlangt werden.
Erste Festnahmen bereits im Juli
Bereits am 2. Juli 2026 hatten Polizeikräfte aus Aschaffenburg und Nordrhein-Westfalen elf Objekte mit Schwerpunkt im Raum Köln durchsucht.
Dabei stellten die Ermittler zahlreiche Beweismittel sicher, darunter elektronische Datenträger, gefälschte Ausweisdokumente, Sprachzertifikate und Einbürgerungsurkunden.
Eine 24-jährige Afghanin und ein 35-jähriger Iraker wurden vorläufig festgenommen.
Gegen beide ergingen Untersuchungshaftbefehle wegen des dringenden Verdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte. Die Haftbefehle wurden jedoch unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Großrazzia mit mehr als 350 Polizeibeamten
Am Mittwoch, 21. Oktober, folgte der nächste große Zugriff.
Mehr als 350 Einsatzkräfte aus Unterfranken, Mittelfranken, München und Nordrhein-Westfalen waren beteiligt. Unterstützung kam von der Bundespolizei sowie vom österreichischen Bundeskriminalamt.
Auch zwei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg begleiteten die Maßnahmen.
An mehr als 30 Objekten, überwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Raum München, vollstreckten die Ermittler Durchsuchungsbeschlüsse.
Die Polizei arbeitete dabei auch eng mit Europol zusammen.
Professionelle Fälscherwerkstatt, Schusswaffe und Bargeld entdeckt
Bei den Durchsuchungen stießen die Ermittler auf umfangreiches Beweismaterial.
Besonders aufschlussreich war die Entdeckung einer professionell ausgestatteten Fälscherwerkstatt. Dort befanden sich mehrere hochwertige Drucker, die nach bisherigen Erkenntnissen zur Herstellung gefälschter Dokumente und Ausweise verwendet wurden.
Darüber hinaus stellten die Einsatzkräfte bei einem Tatverdächtigen eine scharfe Schusswaffe fest.
Sichergestellt wurden außerdem:
- Bargeld im mittleren fünfstelligen Eurobereich
- Kleinmengen abgepackter Betäubungsmittel, die mutmaßlich für den Verkauf vorgesehen waren
- Zahlreiche weitere Beweismittel, die nun ausgewertet werden
Welche zusätzlichen Erkenntnisse sich aus den sichergestellten Gegenständen ergeben, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Sieben Tatverdächtige festgenommen – sechs bleiben in Haft
Im Rahmen der großangelegten Aktion wurden insgesamt sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 26 und 46 Jahren festgenommen.
Sechs Festnahmen erfolgten am Mittwoch, eine weitere am Donnerstag.
Die Beschuldigten besitzen nach Polizeiangaben die deutsche, syrische, irakische, jordanische beziehungsweise rumänische Staatsangehörigkeit.
Sie wurden Ermittlungsrichtern in Aschaffenburg und Nordrhein-Westfalen vorgeführt. Gegen sie lagen bereits Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte vor.
In einem Fall wurde der Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Die übrigen sechs Tatverdächtigen befinden sich in Haft.
Ermittlungen gehen weiter
Mit der großangelegten Durchsuchungsaktion sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Die Ermittlungskommission „Kiosk“ wird die sichergestellten Beweismittel nun auswerten und mögliche weitere Zusammenhänge zu Verfahren in Deutschland und im europäischen Ausland untersuchen.
Angesichts der bundesweiten Verbindungen und der hohen Zahl mutmaßlich illegal beschaffter Sprachzertifikate dürfte insbesondere die Auswertung der Dokumente und elektronischen Datenträger für das weitere Verfahren von Bedeutung sein.
Für sämtliche Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
