Bei einem Treffen im Weingut am Kreuzberg in Nordheim am Main stellten Vertreter aus Weinbau, Beratung und Forschung aktuelle Daten zum Weinjahr 2026 vor. Mit dabei waren unter anderem Weinbaupräsidentin Barbara Becker, Beate Leopold vom Weinbauring Franken, Dr. Matthias Mend von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie Ralf Schwarz vom Bezirk Unterfranken.
Trockenheit prägte das Weinjahr
Das Jahr begann zunächst mit vergleichsweise günstigen Voraussetzungen. Schnee im Januar und Februar sorgte dafür, dass die Böden Wasser speichern konnten. Bereits am 23. März begann das Knospenschwellen und damit zwölf Tage früher als im Vorjahr.
Ab April machte sich jedoch zunehmend Trockenheit bemerkbar. In einzelnen fränkischen Weinbaugebieten summierte sich der Niederschlag von Januar bis September auf lediglich rund 225 Liter pro Quadratmeter. Damit lag die Niederschlagsmenge dort nur bei etwa der Hälfte des langjährigen Durchschnitts.
Auch der Sommer war durch hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit geprägt.
Kühle Nächte förderten die Aromatik
Die Weinreben blühten bereits Anfang Juni. Im August sorgten kühlere Nächte dafür, dass sich die Aromen in den Trauben weiter entwickeln konnten.
Normalerweise vergehen nach einer traditionellen Winzerregel ungefähr 100 Tage von der Blüte bis zur Lesereife. 2026 ging die Entwicklung deutlich schneller: Bereits nach etwa 85 Tagen waren die Trauben reif.
Die Lesereife wurde demnach am 1. September erreicht. Das war rund eine Woche früher als im Vorjahr und 18 Tage früher als im langjährigen Mittel.
Früheste und kürzeste Weinlese in Franken
In mehreren Weinlagen waren bereits Ende August die ersten Lesemannschaften und Vollernter im Einsatz. Die rund 2.800 fränkischen Winzerfamilien mussten in kurzer Zeit entscheiden, wann die Trauben den optimalen Reifegrad erreicht hatten.
Die eigentliche Hauptlese konzentrierte sich auf einen vergleichsweise kurzen Zeitraum und war bereits in der dritten Septemberwoche weitgehend abgeschlossen.
Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands war es damit die früheste und zugleich kürzeste Weinlese, die bislang im fränkischen Weinbaugebiet registriert wurde.
Weinbaupräsidentin erwartet vielversprechenden Jahrgang
Weinbaupräsidentin Barbara Becker bewertet die Qualität der eingebrachten Trauben positiv. Sie erwartet beim Jahrgang 2026 sortentypische und aromatische Frankenweine mit klarer Struktur.
Bereits die ersten Eindrücke aus den Kellern seien vielversprechend. Die Weine zeigten nach Einschätzung Beckers schon jetzt Präsenz und Komplexität.
Gleichzeitig verwies sie auf die Leistung der Winzerinnen und Winzer während der kurzen und arbeitsintensiven Lesephase. Neben der Weinproduktion trage der Weinbau auch wesentlich zum Erhalt der fränkischen Kulturlandschaft und zum Tourismus in der Region bei.
Deutlich weniger Wein als im Vorjahr
Bei der Erntemenge fällt die Bilanz dagegen deutlich schwächer aus.
Für das Jahr 2026 rechnen die Experten in Franken derzeit mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund 55 Hektolitern pro Hektar. Im Jahr zuvor waren es noch 72 Hektoliter pro Hektar.
Die gesamte Weinmosternte wird aktuell auf rund 320.251 Hektoliter geschätzt. 2025 waren es noch 432.184 Hektoliter.
Damit läge die Erntemenge rund ein Viertel unter dem Vorjahreswert.
Das durchschnittliche Mostgewicht beträgt nach den bisherigen Daten rund 89 Grad Oechsle. Die endgültigen Zahlen stehen allerdings erst nach der vollständigen Auswertung der Weinerzeugungsmeldungen fest.
Rebfläche in Franken geht zurück
Auch die bewirtschaftete Rebfläche ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Zum 1. August 2026 umfasste die bestockte Ertragsrebfläche im Weinanbaugebiet Franken rund 5.823 Hektar. Im Vorjahr waren es noch 6.003 Hektar.
Rund 680 Weingüter vermarkten ihre Weine direkt ab Hof. Etwa 2.800 Winzerfamilien sind nach Angaben des Verbands in den fränkischen Winzergenossenschaften organisiert.
Eine besondere Rolle spielt weiterhin der Silvaner. Die Rebsorte wird in Franken seit dem Jahr 1659 angebaut und gehört zu den international bekanntesten Weinen der Region.
Mit mehr als 200 Wein- und Winzerdörfern ist der Weinbau zudem ein wichtiger Bestandteil des Tourismus in Franken.
