Schaeffler-Werk in Schweinfurt mit Verwaltungsgebäude, Schornstein und Firmenflaggen. Am Standort sollen 79 Arbeitsplätze wegfallen.
Der Schaeffler-Standort in Schweinfurt. Im Rahmen des angekündigten Sparprogramms sollen hier 79 Arbeitsplätze im Sondermaschinenbau wegfallen. Foto: Schaeffler

Schaeffler: 79 Arbeitsplätze in Schweinfurt sollen wegfallen – Konzern schließt vier Standorte

Schweinfurt - Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen weiteren umfangreichen Stellenabbau an. Auch der Standort Schweinfurt ist von den neuen Plänen betroffen. Nach Angaben der IG Metall sollen dort 79 Arbeitsplätze im Bereich Sondermaschinenbau wegfallen. Deutschlandweit plant der Konzern den Abbau von rund 2.660 Stellen. Vier Standorte in Deutschland sollen vollständig geschlossen werden.

Die Maßnahmen sind Teil eines neuen Ergebnisverbesserungsprogramms, das Schaeffler am Dienstag, 3. November 2026, bekannt gegeben hat. Europaweit sollen insgesamt 3.460 Arbeitsplätze an 16 Standorten abgebaut werden.

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Für die Beschäftigten in Schweinfurt bedeutet die Ankündigung eine erneute Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft.

Schweinfurt: 79 Stellen im Sondermaschinenbau betroffen

Nach der von der IG Metall veröffentlichten Standortübersicht sollen in Schweinfurt 79 Arbeitsplätze wegfallen. Betroffen ist der Sondermaschinenbau, dessen Kapazitäten nach den Planungen des Unternehmens angepasst werden sollen.

Schaeffler selbst bestätigt in seiner Mitteilung, dass im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt Veränderungen vorgesehen sind. Die konkrete Zahl von 79 Stellen geht aus den Angaben der Gewerkschaft hervor.

Eine vollständige Schließung des Schweinfurter Standorts ist nach den bislang bekannt gegebenen Plänen nicht vorgesehen.

Wie der Stellenabbau konkret umgesetzt werden soll, ist derzeit noch offen. Insbesondere gibt es bislang keine abschließenden Angaben dazu, ob die betroffenen Arbeitsplätze durch freiwilliges Ausscheiden, Altersteilzeit, interne Versetzungen oder betriebsbedingte Kündigungen wegfallen sollen.

Der Konzern kündigte an, die Maßnahmen sozialverträglich und im Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen umzusetzen.

Vier Schaeffler-Standorte in Deutschland sollen schließen

Besonders weitreichend sind die Sparmaßnahmen an vier deutschen Standorten. Nach den Unternehmensplanungen sollen die Standorte Dortmund, Berlin, Schwalbach und Morbach vollständig geschlossen werden.

In Dortmund und Morbach betrifft dies unter anderem die Fertigung von Komponenten für Verbrennungsmotoren. In Berlin sollen die Aktivitäten am Entwicklungsstandort eingestellt werden.

Auch der Standort Schwalbach soll aufgegeben werden. Ein Großteil der dort Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln, gleichzeitig sind Stellenstreichungen vorgesehen.

Weitere Kapazitäts- und Strukturanpassungen plant Schaeffler unter anderem in Herzogenaurach, Nürnberg, Höchstadt, Regensburg und Bühl.

Am Standort Höchstadt soll der Werkzeugbau eingestellt werden.

Insgesamt will Schaeffler in Deutschland rund 2.660 Stellen bis 2028 abbauen. Das entspricht nach Konzernangaben etwa neun Prozent der Stammbelegschaft, die zum 30. September 2026 insgesamt 31.957 Beschäftigte umfasste.

Automobilkrise und hohe Kosten als Gründe

Als Hauptgründe für die erneuten Einschnitte nennt Schaeffler die schwierige Situation der europäischen Automobilindustrie und den zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck.

Die Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gehe zurück, während sich der Hochlauf der Elektromobilität langsamer entwickle als ursprünglich erwartet.

Hinzu kommen nach Unternehmensangaben vergleichsweise hohe Personalkosten in Deutschland sowie komplexe Organisationsstrukturen.

Mit dem neuen Programm will Schaeffler Produktionsüberkapazitäten abbauen, Entwicklungskapazitäten anpassen und seine Kostenstruktur verbessern.

Ab dem Jahr 2030 sollen die Maßnahmen jährlich rund 300 Millionen Euro an Ergebnisverbesserungen bringen. Für die Umsetzung rechnet der Konzern mit einem einmaligen Aufwand von etwa 480 Millionen Euro.

Beschäftigte sollen auch auf Gehalt verzichten

Neben den geplanten Stellenstreichungen sieht das Sparprogramm einen sogenannten Solidaritätsbeitrag vor.

Dabei handelt es sich unter anderem um einen zeitlich begrenzten freiwilligen Gehaltsverzicht, der nach den Vorstellungen des Unternehmens sämtliche Hierarchieebenen betreffen soll.

Die konkreten Bedingungen müssen allerdings noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden.

Der Solidaritätsbeitrag soll in den Jahren 2027 und 2028 zu zusätzlichen finanziellen Entlastungen führen und nach Darstellung des Konzerns dazu beitragen, den Stellenabbau zu begrenzen.

IG Metall kritisiert erneutes Abbauprogramm deutlich

Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat reagieren mit deutlicher Kritik auf die neuen Sparpläne.

Bereits im November 2024 hatte Schaeffler einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Zusätzlich wurden Anfang Oktober 2026 rund 1.800 Altersteilzeitverträge abgeschlossen.

Nun folgt bereits das nächste Restrukturierungsprogramm.

Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler, kritisiert insbesondere das Fehlen einer langfristigen industriellen Perspektive für die deutschen Standorte.

„Schaeffler hat heute seine Vorstellungen präsentiert: ein detailliertes Abbaukonzept für Deutschland und zugleich eine globale Wachstumsstrategie für den Konzern.“

Nach Ansicht der Gewerkschaft fehlt jedoch eine konkrete Antwort darauf, welche Produkte und Technologien künftig in Deutschland entwickelt und gefertigt werden sollen und welche Investitionen geplant sind.

Höhn fordert deshalb ein belastbares Zukunftskonzept mit konkreten Aussagen zur Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2030.

„Erst dann kann überhaupt über Stellenabbau oder andere Maßnahmen gesprochen werden“, stellte der Gewerkschaftsvertreter klar.

Auch der Konzernbetriebsrat verlangt langfristige Perspektiven für die deutschen Standorte und deren Beschäftigte.

Was bedeutet der Stellenabbau für Schweinfurt?

Mit den angekündigten 79 Stellenstreichungen ist auch der Industriestandort Schweinfurt unmittelbar vom neuen Sparprogramm betroffen.

Im Vergleich zu anderen deutschen Schaeffler-Standorten fällt die Zahl der geplanten Arbeitsplatzverluste zwar geringer aus. Für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien sind die angekündigten Maßnahmen dennoch von erheblicher Bedeutung.

Welche langfristigen Folgen die Anpassung der Sondermaschinenbau-Kapazitäten für den Standort haben wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

Offen ist insbesondere, welche Aufgaben und Produktionskapazitäten künftig in Schweinfurt verbleiben und ob weitere organisatorische Veränderungen vorgesehen sind.

Schaeffler hat angekündigt, die konkreten Planungen im Rahmen lokaler Mitarbeiterversammlungen vorzustellen.

Damit bleibt für die Beschäftigten in Schweinfurt zunächst die Frage offen, wie der geplante Abbau von 79 Arbeitsplätzen tatsächlich umgesetzt werden soll.

Fest steht: Eine vollständige Schließung des Schweinfurter Schaeffler-Standorts ist aktuell nicht angekündigt. Der Sondermaschinenbau steht jedoch vor Einschnitten, über deren konkrete Auswirkungen noch weitere Gespräche erforderlich sind.

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