Angeblicher tödlicher Verkehrsunfall der Tochter
Der erste bekannte Fall ereignete sich am Donnerstagnachmittag in Bad Neustadt an der Saale im Landkreis Rhön-Grabfeld.
Zwischen 13:15 Uhr und 16:45 Uhr erhielt eine 89-jährige Seniorin einen Anruf von einer unbekannten Person. Der Anrufer behauptete, die Tochter der Frau habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Mensch ums Leben gekommen sei.
Um eine angeblich notwendige Kaution zu bezahlen, sollte die Seniorin Bargeld und Wertgegenstände zur Verfügung stellen.
Die Täter setzten damit auf eine bekannte Betrugsmasche: Durch die Schilderung einer dramatischen Notlage eines nahen Angehörigen sollen die Angerufenen unter erheblichen emotionalen Druck gesetzt und zu einer schnellen Geldübergabe bewegt werden.
Unbekannter holt Bargeld und Goldmünzen ab
Im weiteren Verlauf erschien ein bislang unbekannter Mann an der Wohnadresse der Seniorin in der St.-Konrad-Straße in Bad Neustadt.
Die 89-Jährige übergab dem Mann Bargeld und Goldmünzen. Anschließend entfernte sich der Abholer mit der Beute.
Der entstandene Vermögensschaden liegt nach Angaben der Polizei im fünfstelligen Bereich.
Die Ermittler haben folgende Beschreibung des unbekannten Geldabholers veröffentlicht:
- Männlich
- Etwa 180 bis 190 Zentimeter groß
- Zwischen 25 und 35 Jahre alt
- Sprach akzentfreies Deutsch
Die Kriminalpolizei hofft insbesondere auf Hinweise von Personen, die den Mann am Donnerstagnachmittag in der St.-Konrad-Straße oder deren Umgebung beobachtet haben.
Weiterer Betrugsfall im Bad Kissinger Stadtteil Garitz
Nur wenige Stunden später kam es in Bad Kissingen zu einem weiteren erfolgreichen Telefonbetrug.
Gegen 18:00 Uhr wurde eine 76-jährige Seniorin im Stadtteil Garitz zum Opfer von Betrügern. Auch in diesem Fall gelang es den Tätern, einen niedrigen fünfstelligen Geldbetrag zu erbeuten.
Eine Beschreibung der beteiligten Täter liegt der Polizei für diesen Fall nicht vor.
Ob zwischen den beiden Taten ein unmittelbarer Zusammenhang besteht, geht aus den bisherigen Polizeiangaben nicht hervor.
Kriminalpolizei Würzburg bittet um Zeugenhinweise
Die Kriminalpolizei Würzburg hat als zuständige Zentralstelle für dieses Betrugsphänomen die Ermittlungen übernommen.
Gesucht werden Zeugen, denen am Donnerstag in Bad Neustadt oder Bad Kissingen verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizeiinspektion Würzburg unter der Telefonnummer 0931/457-1732 entgegen.
Polizei warnt vor Schockanrufen und falschen Polizeibeamten
Die unterfränkische Polizei warnt erneut eindringlich vor Telefonbetrügern, die mit erfundenen Notlagen versuchen, vor allem ältere Menschen um ihre Ersparnisse zu bringen.
Häufig behaupten die Täter, ein Familienmitglied habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, sei festgenommen worden oder benötige dringend finanzielle Unterstützung.
Dabei geben sich die Anrufer teilweise als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder andere Amtspersonen aus.
Die Geschichten werden gezielt eingesetzt, um Angst und Zeitdruck zu erzeugen. Den Betroffenen soll möglichst keine Gelegenheit bleiben, bei ihren Angehörigen nachzufragen oder die Angaben zu überprüfen.
So schützen Sie sich vor Telefonbetrug
Die Polizei gibt wichtige Verhaltenstipps, um sich vor solchen Betrugsversuchen zu schützen:
- Legen Sie bei verdächtigen Anrufen sofort auf.
- Wählen Sie selbst die Notrufnummer 110, wenn angeblich die Polizei oder Justiz beteiligt ist.
- Überprüfen Sie die geschilderte Notlage bei Ihren Angehörigen über eine Ihnen bekannte Telefonnummer.
- Übergeben Sie niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände an unbekannte Personen.
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und geben Sie keine Auskunft über Ihre finanziellen Verhältnisse.
- Vertrauen Sie nicht allein auf die angezeigte Telefonnummer. Betrüger können durch sogenanntes Call-ID-Spoofing falsche Rufnummern anzeigen lassen.
- Sprechen Sie mit Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn über die bekannten Betrugsmaschen.
Die Polizei betont ausdrücklich, dass weder Polizeibeamte noch Justizbehörden telefonisch dazu auffordern, Bargeld oder Schmuck für eine angebliche Kaution bereitzustellen.
Auch werden keine Wertgegenstände durch die Polizei an der Haustür abgeholt, um diese vermeintlich sicher aufzubewahren.
Präventionskampagnen sollen ältere Menschen schützen
Um die Bevölkerung über die Gefahren von Telefonbetrug aufzuklären, setzt das Polizeipräsidium Unterfranken seit mehreren Jahren auf gezielte Präventionskampagnen.
Bereits Ende 2020 wurde die Kampagne „Leg‘ auf!“ ins Leben gerufen. Im Juli 2022 folgte die Aktion „Ich schütze Oma und Opa“, mit der insbesondere Schülerinnen, Schüler und Jugendliche angesprochen werden.
Auch die Kampagne „Chill mal Oma“ soll jüngere Menschen dazu motivieren, ihre Großeltern und ältere Bekannte über die Tricks der Betrüger zu informieren.
Die Polizei appelliert an Angehörige, das Thema regelmäßig innerhalb der Familie anzusprechen. Denn wer die Maschen der Täter kennt, kann verdächtige Anrufe leichter erkennen und rechtzeitig reagieren.
