Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Unterfranken übt deutliche Kritik an den geplanten Änderungen im Gesundheitswesen. Besonders die geplante Teilkrankschreibung sowie höhere Zuzahlungen für Medikamente stoßen bei der Gewerkschaft auf massiven Widerstand.
Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken, warnt davor, dass die geplanten Maßnahmen vor allem zulasten der Versicherten gehen würden. Künftig könnten bei Medikamenten höhere Eigenbeteiligungen fällig werden. Stattdessen fordert die Gewerkschaft eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 auf 7 Prozent.
„Ob Tabletten, Tropfen, Salben oder Infusionen – niedrigere Steuern auf Medikamente würden die Menschen direkt entlasten“, erklärt Ocak. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass die Preisvorteile tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.
Besonders kritisch sieht die NGG die von der Bundesregierung diskutierte Teilkrankschreibung. Demnach könnten Beschäftigte künftig trotz Krankheit teilweise weiterarbeiten – beispielsweise im Homeoffice oder mit reduzierter Arbeitszeit.
„Wer krank zur Arbeit geht, hilft weder sich noch dem Betrieb“, betont Ocak. Im schlimmsten Fall würden Erkrankungen verschleppt und könnten chronisch werden.
Als Beispiel nennt die Gewerkschaft Berufe im Bäckerhandwerk oder in der Gastronomie. Gerade dort seien Zeitdruck und körperliche Belastung besonders hoch. Halb oder teilweise arbeitsfähige Beschäftigte könnten den Anforderungen häufig kaum gerecht werden.
Die NGG befürchtet zudem, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter Druck geraten könnten, früher an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Zwar müssten beide Seiten zustimmen, doch „sanfter Druck“ oder klare Aufforderungen durch Arbeitgeber seien aus Sicht der Gewerkschaft denkbar.
Mit Blick auf die Bundestagsabgeordneten aus Schweinfurt und der Region appelliert die NGG Unterfranken deshalb, die geplanten Änderungen zu überdenken und insbesondere „von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.
Die Gewerkschaft warnt insgesamt vor einem zunehmenden Sozialabbau und kritisiert die anhaltenden Debatten über Einsparungen im Sozialstaat. Statt weiterer Belastungen für Beschäftigte müsse die Politik stärker gegen soziale Ungleichheit vorgehen.
