Elektronische Rezepte für Medikamente gehören inzwischen zum Alltag. Nun soll die Digitalisierung auch bei der Verschreibung von Hilfsmitteln vorankommen. Sieben gesetzliche Krankenkassen, darunter die AOK Bayern, testen gemeinsam ein Verfahren, mit dem Hilfsmittel vollständig digital verordnet, eingelöst und abgerechnet werden können.
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigt, dass die Zustimmung zu elektronischen Verordnungen groß ist. Demnach befürworten 83 Prozent der Menschen in Deutschland, dass künftig auch Heil- und Hilfsmittel digital verschrieben werden können.
Jüngere und ältere Menschen befürworten digitale Verordnungen
Besonders hoch fällt die Zustimmung bei Erwachsenen bis 39 Jahre aus. In dieser Altersgruppe sprechen sich 91 Prozent für elektronische Verordnungen aus. Unter den Erwerbstätigen liegt der Anteil bei 90 Prozent.
Auch bei Menschen ab 60 Jahren überwiegt die Zustimmung deutlich: 74 Prozent befürworten eine digitale Alternative zu bisherigen Papierverordnungen.
Sieben Krankenkassen arbeiten an gemeinsamem Verfahren
An dem Pilotprojekt beteiligen sich die AOK Bayern, die BARMER, BIG direkt gesund, die DAK-Gesundheit, die Hanseatische Krankenkasse, die IKK classic und die Techniker Krankenkasse. Zusammen betreuen diese Krankenkassen rund 34 Millionen Versicherte.
Das gemeinsame Verfahren soll den gesamten Ablauf von der ärztlichen Verschreibung über die Einlösung beim Anbieter bis zur Abrechnung digital abbilden.
Seit Juli sind nahezu alle Hilfsmittel in das Projekt einbezogen. Dazu gehören beispielsweise Diabetes-Sensoren, Inhalationsgeräte und Kompressionsstrümpfe. Ausgenommen bleiben Seh- und Hörhilfen sowie Pflegehilfsmittel.
Wichtig ist die Unterscheidung: Während sich die Umfrage sowohl auf Heilmittel wie Physiotherapie als auch auf Hilfsmittel bezieht, konzentriert sich das gemeinsame Pilotprojekt derzeit auf Hilfsmittel.
Rund 175.000 Versicherte zeigen Interesse
Das Interesse an dem digitalen Angebot ist nach Angaben der beteiligten Krankenkassen bereits erheblich. Rund 175.000 Interessierte haben die App ihrer jeweiligen Krankenkasse auf ihr Smartphone geladen, um elektronische Hilfsmittelverordnungen empfangen zu können.
Versicherte sollen ihre Verordnung künftig digital erhalten und mit wenigen Klicks bei einem Sanitätshaus oder einem anderen teilnehmenden Hilfsmittelanbieter einlösen können.
Weniger Bürokratie für Praxen und Sanitätshäuser
Bislang werden Hilfsmittel überwiegend auf Papier verordnet. Das neue Verfahren soll Ausdrucke vermeiden und den Verwaltungsaufwand für Arztpraxen, Sanitätshäuser, Apotheken und Krankenkassen reduzieren.
Ein digitaler Assistent soll Arztpraxen bei der Ausstellung unterstützen und dazu beitragen, Fehler zu vermeiden. Dadurch könnten auch Rückfragen von Hilfsmittelanbietern und Krankenkassen zurückgehen.
Arztpraxen, Sanitätshäuser, Apotheken und weitere Anbieter sind aufgerufen, sich an dem kassenübergreifenden Pilotprojekt zu beteiligen. Ziel ist es, die technischen Abläufe gemeinsam weiterzuentwickeln und die Anforderungen aller Beteiligten zu berücksichtigen.
Die sieben Krankenkassen haben sich bereits im Frühjahr 2023 in der Arbeitsgemeinschaft eGesundheit Deutschland zusammengeschlossen. Weitere Informationen zum Projekt sind unter egesundheit-deutschland.de abrufbar.
