IG BAU fordert 17 Euro Stundenlohn für Reinigungskräfte
Ob Büros, Schulen, Krankenhäuser oder andere öffentliche und private Gebäude: Reinigungskräfte sorgen täglich dafür, dass Einrichtungen sauber und hygienisch bleiben. Häufig beginnt ihre Arbeit bereits in den frühen Morgenstunden, lange bevor andere Beschäftigte ihren Arbeitstag antreten.
Doch bei der Bezahlung gibt es erheblichen Streit.
„Sauber machen und dafür sauber bezahlt werden – das wollen die rund 1.330 Beschäftigten, die in Schweinfurt in der Gebäudereinigung arbeiten“, erklärt Michael Groha, Vorsitzender der IG BAU Mainfranken.
Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des tariflichen Stundenlohns um zwei Euro. Für Beschäftigte der untersten Lohngruppe würde dieser damit von derzeit 15 Euro auf 17 Euro steigen.
Nach Auffassung der Gewerkschaft ist eine solche Erhöhung notwendig, um die körperlich anspruchsvolle Arbeit angemessen zu vergüten und die Beschäftigten angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten finanziell zu entlasten.
Arbeitgeber bieten zunächst nur 27 Cent mehr
Die Arbeitgeber haben in den laufenden Tarifverhandlungen bislang ein deutlich niedrigeres Angebot vorgelegt.
Demnach sollen die Stundenlöhne in den ersten vier Monaten des Jahres 2027 unverändert bleiben. Erst ab dem 1. Mai 2027 ist eine Erhöhung um 1,8 Prozent vorgesehen.
Für Beschäftigte mit einem aktuellen Stundenlohn von 15 Euro entspricht dies gerade einmal 27 Cent zusätzlich pro Stunde. Eine weitere Steigerung um 1,6 Prozent ist ab Januar 2028 vorgesehen.
„Doch die Arbeitgeber treten gewaltig auf die Lohn-Bremse“, kritisiert Michael Groha.
Die angebotene Erhöhung sei aus Sicht der Gewerkschaft völlig unzureichend und könne nicht einmal die Inflation ausgleichen.
Die Arbeitgeberseite bewertet das Angebot dagegen anders. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks verweist auf die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Betriebe, steigende Sozialversicherungsbeiträge und die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.
Die Vorstellungen der Tarifparteien liegen damit weiterhin erheblich auseinander.
Ab Januar beträgt der Abstand zum Mindestlohn nur noch 40 Cent
Besonders kritisch sieht die IG BAU die Entwicklung beim gesetzlichen Mindestlohn.
Dieser steigt zum 1. Januar 2027 bundesweit auf 14,60 Euro brutto pro Stunde. Der derzeitige tarifliche Einstiegslohn in der Gebäudereinigung liegt mit 15 Euro dann lediglich noch 40 Cent darüber.
Für Michael Groha stellt sich deshalb zunehmend die Frage, warum Beschäftigte die Belastungen der Reinigungsbranche auf sich nehmen sollten, wenn andere Tätigkeiten ähnlich bezahlt werden.
„Warum soll sie für 40 Cent mehr ihren Wecker auf 3 Uhr morgens stellen, in aller Herrgottsfrühe aufstehen und sich dann auch noch krummmachen? Einen Job zum gesetzlichen Mindestlohn findet sie allemal auch woanders“, erklärt der Gewerkschafter.
Die Arbeit in der Gebäudereinigung sei körperlich anstrengend und werde nach seiner Einschätzung finanziell nicht ausreichend gewürdigt.
IG BAU warnt vor Personalproblemen in Schweinfurt
Sollten die Arbeitgeber bei ihrem bisherigen Angebot bleiben, könnte dies nach Einschätzung der Gewerkschaft erhebliche Folgen für die Reinigungsunternehmen haben.
„Weigern sich die Unternehmen weiterhin hartnäckig, ein ordentliches Angebot auf den Tisch zu legen, dann werden viele Reinigungskräfte den Stecker vom Staubsauger ziehen: Sie hängen ihren Job an den Nagel und suchen sich etwas anderes“, warnt Groha.
Bereits jetzt sei Personal in der Gebäudereinigung knapp. Ein weiterer Verlust erfahrener Beschäftigter könnte die Situation zusätzlich verschärfen.
Nach Angaben der IG BAU gibt es in Schweinfurt insgesamt 16 Gebäudereinigungsunternehmen.
Gerade für diese Betriebe könnte es zunehmend schwieriger werden, ausreichend Personal zu gewinnen und langfristig zu halten, sollte die Bezahlung gegenüber anderen Branchen an Attraktivität verlieren.
Entscheidend wird die Tarifverhandlung am 3. November
Die nächste Tarifrunde findet am Dienstag, 3. November 2026, statt.
Dann treffen sich die Vertreter der IG BAU und des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks zum dritten Mal, um über die künftige Bezahlung der Beschäftigten zu verhandeln.
Die Gewerkschaft hält weiterhin an ihrer Forderung nach zwei Euro mehr Stundenlohn fest.
Ob sich beide Seiten auf einen neuen Tarifvertrag verständigen können, ist derzeit offen. Die IG BAU hat bereits deutlich gemacht, dass bei ausbleibenden Fortschritten auch Arbeitskampfmaßnahmen nicht ausgeschlossen sind.
Für die rund 1.330 Reinigungskräfte in Schweinfurt steht damit eine wichtige Entscheidung bevor. Es geht nicht nur um die nächste Lohnerhöhung, sondern auch um die Frage, wie attraktiv die Arbeit in der Gebäudereinigung künftig bleibt.
