**Umfrage von IHK Würzburg-Schweinfurt und Universität Würzburg zeigt: KI wird häufig genutzt, Prozessautomatisierung bleibt bislang die Ausnahme**

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen in Mainfranken inzwischen Teil des Arbeitsalltags. Eine gemeinsame Befragung der IHK Würzburg-Schweinfurt und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt jedoch auch: Während KI-Werkzeuge häufig für Recherche, Texte und Zusammenfassungen eingesetzt werden, spielt die automatisierte Nutzung innerhalb betrieblicher Prozesse bislang eine deutlich kleinere Rolle.
An der Online-Befragung im Sommer 2026 beteiligten sich 53 Unternehmen aus Mainfranken. Die Ergebnisse sind aufgrund der Teilnehmerzahl und der freiwilligen Teilnahme nicht repräsentativ, geben aber einen Einblick in den derzeitigen Umgang regionaler Firmen mit Künstlicher Intelligenz.
**ChatGPT wird am häufigsten eingesetzt**
Im Durchschnitt nutzen die befragten Unternehmen 3,7 verschiedene KI-Werkzeuge.
Am häufigsten wurde ChatGPT genannt. Rund 62 Prozent der Befragten setzen das System ein. Claude und Microsoft Copilot folgen mit jeweils 45 Prozent, DeepL kommt auf 36 Prozent.
Rund ein Drittel der Unternehmen nutzt zudem eine eigene KI-Lösung.
„Wenn in Mainfranken von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, geht es selten um Roboter und fast immer um den Schreibtisch“, fasst Professorin Carolin Wienrich von der Universität Würzburg die Ergebnisse zusammen.
**Recherche und Texterstellung dominieren**
Besonders häufig kommt KI bei klassischen Büroaufgaben zum Einsatz.
Jeweils 91 Prozent der Befragten nutzen entsprechende Werkzeuge für Recherchen und für das Erstellen von Textentwürfen. 66 Prozent verwenden KI zum Zusammenfassen von Informationen.
Deutlich geringer fällt der Einsatz bei der Automatisierung betrieblicher Abläufe aus. Lediglich 19 Prozent der Befragten gaben an, KI zur Prozessautomatisierung zu nutzen.
„KI ist am Arbeitsplatz angekommen, in den Prozessen hingegen noch nicht“, erklärt Julia Holleber, Digitalisierungsreferentin der IHK Würzburg-Schweinfurt.
**KI häufig als persönliche Assistenz verstanden**
Auch beim Rollenverständnis zeigt sich, dass viele Unternehmen KI derzeit vor allem als unterstützendes Werkzeug betrachten.
32 Prozent der Befragten sehen KI in erster Linie als persönliche Assistenz für Organisation und Routineaufgaben. 17 Prozent vergleichen sie mit einem Sachbearbeiter, der klar definierte Aufgaben selbstständig erledigt.
Weitere 15 Prozent sehen KI als Projektpartner. Lediglich 13 Prozent ordnen die Technik auf Augenhöhe oder darüber ein.
Dabei zeigt die Befragung einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung der eigenen KI-Kenntnisse und der Rolle, die der Technologie zugeschrieben wird. Wer KI stärker als eigenständigen Partner betrachtet, schätzt auch die eigenen Kenntnisse häufiger höher ein.
**Mehr Chancen als Risiken**
Insgesamt überwiegt bei den befragten Unternehmen eine positive Einschätzung.
Auf einer Skala von 1 für „großes Risiko“ bis 10 für „große Chance“ erreichte KI im Durchschnitt einen Wert von 6,8. 43 Prozent der Befragten vergaben acht oder mehr Punkte.
Gleichzeitig sehen 30 Prozent der Teilnehmer Risiken für die eigene berufliche Entwicklung.
Nach Angaben der Studienautoren unterscheiden sich diese Befragten bei ihren KI-Kenntnissen kaum von den übrigen Teilnehmern. Die Skepsis lasse sich daher nicht allein mit mangelndem Wissen erklären.
**Kritische Prüfung wird zur wichtigsten Fähigkeit**
Bei der Frage nach den künftig wichtigsten Kompetenzen steht nicht die technische Bedienung im Vordergrund.
Mehr als die Hälfte der Befragten hält es für besonders wichtig, KI-Ergebnisse kritisch prüfen und einordnen zu können. Danach folgen Themen wie Datenschutz, rechtliche Rahmenbedingungen und ethische Verantwortung.
Rein technische Fähigkeiten werden dagegen seltener als entscheidende Zukunftskompetenz genannt.
**Fast jedes zweite Unternehmen hat feste Regeln**
49 Prozent der befragten Unternehmen verfügen inzwischen über eine schriftliche Richtlinie oder Betriebsvereinbarung zum Einsatz von KI.
30 Prozent untersagen die Nutzung privater KI-Anwendungen ausdrücklich. Rund 23 Prozent arbeiten dagegen bislang ohne Regelungen.
Deutliche Unterschiede gibt es bei der Unternehmensgröße. Bei Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten verfügen laut Umfrage mehr als 70 Prozent über entsprechende Richtlinien. Bei Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten gab hingegen kein Teilnehmer an, eine solche Regelung zu besitzen.
Interessant ist dabei: Unternehmen mit festen Regeln nutzen KI laut Befragung im Durchschnitt breiter und intensiver als Firmen ohne entsprechende Vorgaben.
**Unternehmen wünschen sich Praxisbeispiele**
Beim Unterstützungsbedarf stehen konkrete Anwendungen klar im Vordergrund.
70 Prozent wünschen sich praktische Beispiele für den KI-Einsatz. 53 Prozent interessieren sich für die Veränderung von Arbeitsprozessen und 47 Prozent für rechtliche Rahmenbedingungen.
Grundlagenwissen zur Funktionsweise von KI wurde von 38 Prozent genannt.
Auch bei Weiterbildungen zeigt sich ein klarer Schwerpunkt. Besonders groß ist der Bedarf dann, wenn neue digitale oder KI-gestützte Prozesse im Unternehmen eingeführt werden.
Rund vier Fünftel der Befragten bevorzugen Angebote mit einer Dauer von höchstens einem halben Tag. Besonders gefragt sind Online-Formate mit Trainer sowie begleitetes Selbstlernen.
**53 Unternehmen nahmen an Befragung teil**
An der Erhebung beteiligten sich überwiegend Unternehmen aus Industrie, IT und Handel.
Die IHK Würzburg-Schweinfurt und die Universität Würzburg weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse aufgrund der geringen Teilnehmerzahl keine repräsentativen Aussagen über die gesamte Wirtschaft in Mainfranken erlauben.
Die Befragung zeigt dennoch eine klare Tendenz: KI-Werkzeuge sind in vielen Unternehmen bereits angekommen. Der nächste Schritt dürfte darin bestehen, sie stärker in betriebliche Abläufe und Prozesse zu integrieren.