Mann hält rotes Banner mit der Aufschrift „Arbeitszeit“ als Symbol gegen die Abschaffung des 8-Stunden-Tages.
Gestretchte Arbeitszeit: Die Stunden im Job lassen sich nicht wie ein Gummiband ziehen, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG Unterfranken will verhindern, dass die Bundesregierung den 8-Stunden-Tag abschafft. Foto: NGG | Tobias Seifert

Schweinfurt schiebt 2 Millionen Überstunden – viele zum Nulltarif

Schweinfurt -

Die Beschäftigten in Schweinfurt leisten Jahr für Jahr enorme Mehrarbeit – und ein großer Teil davon bleibt unbezahlt. Laut „Arbeitszeit-Monitor“ des Pestel-Instituts im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kamen im vergangenen Jahr rund 2 Millionen Überstunden zusammen. Davon wurden etwa 1,1 Millionen Stunden zum Nulltarif geleistet. Besonders betroffen ist das Gastgewerbe: In Hotels, Restaurants und Biergärten fielen rund 22.000 Überstunden an, mehr als die Hälfte davon unbezahlt.

Die NGG Unterfranken warnt nun vor einer weiteren Verschärfung der Situation. Hintergrund sind Pläne der Bundesregierung, die tägliche Arbeitszeitregelung aufzuweichen und den klassischen 8-Stunden-Tag abzuschaffen. „Schwarz-Rot will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einführen. Das würde bedeuten: Zehn, elf oder sogar zwölf Stunden und 15 Minuten täglich wären möglich“, sagt NGG-Geschäftsführer Ibo Ocak.

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Schon jetzt seien 48-Stunden-Wochen erlaubt, in Ausnahmefällen sogar bis zu 60 Stunden. Ocak befürchtet, dass Arbeitgeber bei einer Gesetzesänderung die Grenzen massiv ausreizen würden: „Am Ende drohen 73,5-Stunden-Wochen – sechs Tage mit jeweils über zwölf Stunden. Das ist Arbeitszeit-Stretching pur.“

Die Gewerkschaft spricht von einem „Arbeitszeit-Monopoly“ der Bundesregierung und warnt vor gesundheitlichen Folgen: „Nach acht Stunden steigt das Unfallrisiko rasant an. XXL-Tage belasten Körper und Psyche – bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout“, so Ocak.

Neben dem Gesundheitsschutz sieht die NGG auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet. Längere Schichten ließen sich nicht mit Kita- oder Hortzeiten vereinbaren. „Wer holt die Kinder ab, wenn die Schicht zwölf Stunden dauert?“, fragt Ocak. Statt längere Arbeitstage zuzulassen, brauche es bessere Bedingungen: planbare Arbeitszeiten, faire Bezahlung und eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit und Pflege.

Besonders Frauen würden durch die Pläne benachteiligt, so die Gewerkschaft. Derzeit seien 61 Prozent der Teilzeitstellen in Schweinfurt von Frauen besetzt. Längere Arbeitstage würden das klassische Alleinverdienermodell weiter verfestigen und das Fachkräftepotenzial von Frauen schwächen.

Ocak richtet deshalb einen klaren Appell an die Bundestagsabgeordneten aus der Region: „Dem Herumschrauben am Arbeitszeitgesetz muss ein Riegel vorgeschoben werden. Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es schon längst durch Tarifverträge. Was wir wirklich brauchen, sind bessere Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und Ausbildung – nicht noch mehr Überstunden.“

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