SKF will mit neuen Wälzlagerlösungen den Energieverbrauch von Schienenfahrzeugen reduzieren. Auf der InnoTrans 2026 in Berlin präsentiert das Unternehmen reibungsarme Radsatzlager, die sich insbesondere beim Betrieb kompletter Bahnflotten bemerkbar machen sollen.
Die Bahnindustrie arbeitet seit Jahren daran, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Zu den bekannten Maßnahmen gehören leichtere Fahrzeuge, eine optimierte Aerodynamik sowie effizientere Klima- und Lüftungssysteme. Viele dieser großen Einsparmöglichkeiten seien jedoch bereits weitgehend genutzt, erklärt Jan Babka, Global Manager Railway Application Competence bei SKF.
„Deshalb müssen wir uns jetzt auf kleinere, weniger augenscheinliche Energieverlustquellen konzentrieren – etwa auf die Reibung in Achslagern“, sagt der SKF-Experte.
Kleine Reibungsverluste summieren sich
Jedes Radlager eines Zuges erzeugt Reibung und damit einen gewissen Energieverlust. Bei einem einzelnen Lager fällt dieser vergleichsweise gering aus. Über eine komplette Fahrzeugflotte und ein großes Streckennetz hinweg kann sich daraus jedoch ein erheblicher zusätzlicher Energiebedarf ergeben.
Auf Grundlage einer Pilotstudie hat SKF deshalb eine Plattform für reibungsarme Kegelrollenlager-Einheiten und Zylinderrollenlager-Einheiten entwickelt. Beide Bauarten werden häufig als Radsatzlager in Schienenfahrzeugen eingesetzt.

Babka arbeitet nach Angaben des Unternehmens seit Jahrzehnten gemeinsam mit einem SKF-Expertenteam daran, die Reibung in den Radsatzlagern zu verringern. Frühere Entwicklungen ermöglichten unter anderem längere Wartungsintervalle. Die aktuellen Konstruktionsverbesserungen sollen nun zusätzlich den Energieverbrauch senken.
Kombination aus Simulation und Praxistests
Die Entwicklung der neuen Lagerlösungen stellte die Fachleute vor mehrere Herausforderungen. Bislang existiert kein einheitliches Prüfverfahren zur Bestimmung des Reibmoments von Eisenbahnlagern. Gleichzeitig lässt sich das Verhalten des verwendeten Schmierfetts nur schwer vorhersagen.
Prüfmethoden aus anderen Bereichen wie der Automobilindustrie können aufgrund unterschiedlicher Lagerkonstruktionen und Toleranzanforderungen nicht ohne Weiteres auf den Bahnsektor übertragen werden.
SKF setzt deshalb auf eine Kombination aus Computersimulationen und Tests mit Lagern im Originalmaßstab.
„Mithilfe von Simulationen können wir verstehen, an welchen Stellen wir in das Design eingreifen müssen. Anschließend bestätigen Tests im Originalmaßstab, dass die Lösung auch unter realen Betriebsbedingungen funktioniert“, erklärt Babka.
Einsparpotenzial über die gesamte Fahrzeugflotte
Ein einzelnes Achslager zählt nicht zu den größten Energieverbrauchern eines Schienenfahrzeugs. Entscheidend sei jedoch die Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus und eine komplette Fahrzeugflotte hinweg.
„Hersteller von Schienenfahrzeugen dürfen die Reibung in Achslagern daher nicht vernachlässigen“, betont Babka. Die neuen Lagerlösungen sollen Bahnunternehmen dabei unterstützen, kumulierte Energieverluste zu reduzieren und ihre Fahrzeuge effizienter zu betreiben.
SKF stellt Technik auf der InnoTrans 2026 vor
Weitere Einzelheiten zu den reibungsarmen Radsatzlagern will SKF auf der InnoTrans 2026 präsentieren. Die internationale Fachmesse für Verkehrstechnik findet vom 22. bis 25. September 2026 auf dem Berliner Messegelände statt.
Jan Babka und weitere SKF-Fachleute werden dort erläutern, wie die neuen Produkte und das Wissen des Unternehmens über Reibungsminimierung zur Senkung des Energieverbrauchs beitragen können.
SKF ist auf der InnoTrans 2026 in Halle 22 am Stand 650 vertreten.
