Mit dem Abschluss des fünften Flurneuordnungsverfahrens endet in Nordheim am Main eines der bedeutendsten Weinbergsneuordnungsprojekte Unterfrankens. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Weinbau wirtschaftlicher, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten. Gleichzeitig profitiert die Gemeinde von einem verbesserten Natur- und Starkregenschutz sowie neuen touristischen Angeboten.
Insgesamt investierten der Bund, der Freistaat Bayern, die Gemeinde und die Grundstückseigentümer rund 22 Millionen Euro in die fünf Verfahren. Bund und Freistaat unterstützten die Weinbergsneuordnung mit etwa 15 Millionen Euro an Fördermitteln.
Entstanden sind größere und besser zu bewirtschaftende Rebflächen, rund 38 Kilometer Wirtschaftswege sowie zahlreiche Anlagen zum Schutz vor Bodenerosion und Starkregen. Neue Biotope, Hecken und Wasserrückhalteflächen fördern die Artenvielfalt und sollen zugleich verhindern, dass bei starken Niederschlägen große Wassermengen ungebremst in Richtung des Ortes fließen.
Weinbau und Tourismus profitieren
Die Neuordnung beschränkte sich nicht allein auf die landwirtschaftlichen Flächen. Mit dem terroir-f-Punkt, dem Weinkino, einem Weinsortenlehrpfad und weiteren Freizeitangeboten wurden zusätzliche Ziele für Besucher und Einwohner geschaffen. Damit verbindet das Projekt die wirtschaftlichen Interessen des Weinbaus mit Natur-, Landschafts- und Tourismusentwicklung.
„Die Weinbergsneuordnung ist weit mehr als eine Neuordnung von Grundstücken“, erklärte Jürgen Eisentraut, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Unterfranken. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort sei eine Kulturlandschaft gestaltet worden, die den Weinbau stärke, Natur und Klima schütze und den ländlichen Raum nachhaltig weiterentwickle.
Erste Planungen begannen in den 1970er Jahren
Die ersten Planungen für die Weinbergsneuordnung reichen bis in die Mitte der 1970er Jahre zurück. Das Gesamtprojekt wurde bewusst auf mehrere Jahrzehnte verteilt. Die fünf Verfahren erfolgten nacheinander und unter enger Beteiligung der Gemeinde, der Grundstückseigentümer, der Winzer, der Planer und der zuständigen Fachbehörden.
Durch diese schrittweise Umsetzung konnten technische Entwicklungen im Weinbau, moderne Bewirtschaftungsmethoden und steigende Anforderungen an den Boden-, Natur- und Klimaschutz immer wieder berücksichtigt werden. Aus der ursprünglich vor allem landwirtschaftlich ausgerichteten Neuordnung entwickelte sich dadurch ein umfassendes Zukunftsprojekt für Weinbau, Landschaft und Tourismus.
Perspektive für kommende Generationen
Nordheims Bürgermeisterin Sibylle Säger bezeichnete den Abschluss als wichtigen Schritt für die Zukunft des Weinortes. Die neu zugeschnittenen Rebflächen und die moderne Infrastruktur ermöglichten den Betrieben eine effizientere und wirtschaftlichere Bewirtschaftung. Das sei eine wichtige Voraussetzung, um auf den Klimawandel und den Strukturwandel im Weinbau reagieren zu können.
Zugleich würdigte Säger das Engagement der Bürger, der Winzerfamilien und aller weiteren Beteiligten, die über Jahrzehnte hinweg an dem Projekt mitwirkten. Die neugestaltete Kulturlandschaft stärke nicht nur den Weinbau, sondern erhöhe auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Nordheim.
Bezirkstagspräsident Stefan Funk hob ebenfalls die Bedeutung moderner Flurneuordnungen hervor. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der fränkischen Kulturlandschaft und dazu, den Weinbau zukunftsfähig aufzustellen. Angesichts der schwierigen Lage vieler Winzer sei der Abschluss des Projekts ein Schritt in die richtige Richtung.
Auch Weinbaupräsidentin Barbara Becker sieht in den neu geordneten Weinbergen, der verbesserten Infrastruktur und der Verbindung von Weinbau, Natur und Tourismus wichtige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung Nordheims.
Mit dem Ende der Weinbergsneuordnung ist ein Generationenprojekt abgeschlossen. Die neu gestaltete Weinlandschaft soll Nordheim dabei helfen, seine Bedeutung als Weinort zu sichern und den Herausforderungen des Klima- und Strukturwandels langfristig zu begegnen.
Redaktioneller Hinweis: In der Vorlage sind die Finanzierungsangaben widersprüchlich. 15 Millionen Euro Fördermittel und 11 Millionen Euro Eigenmittel ergeben 26 Millionen Euro, während die Gesamtinvestition mit 22 Millionen Euro angegeben wird. Die 11 Millionen Euro Eigenmittel habe ich deshalb nicht in den Artikel übernommen.
