Erneut schlechte Nachrichten für den Industriestandort Ebern: Am Donnerstagnachmittag, 15. Januar 2026, informierten Verantwortliche des Konzerns Valeo Bürgermeister Jürgen Hennemann sowie Landrat Wilhelm Schneider über einen weiteren geplanten Stellenabbau. Insgesamt sollen 134 Arbeitsplätze am Standort Ebern wegfallen.
Bereits vor rund einem Jahr waren dort 280 Stellen gestrichen worden. Der nun angekündigte Abbau stellt damit einen weiteren schweren Einschnitt für den Industriestandort Ebern und die gesamte Region dar. Besonders kritisch wird bewertet, dass es im Vorfeld offenbar keinen Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort, dem Betriebsrat oder regionalen Entscheidungsträgern gegeben habe, um gemeinsam nach Alternativen oder Lösungsansätzen zu suchen.
Hintergrund der Entscheidung ist die angespannte wirtschaftliche Lage, insbesondere in der Automobilindustrie, die auch den Landkreis Haßberge zunehmend belastet. Der Valeo-Konzern teilte überraschend mit, dass rund 100 Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung in Ebern abgebaut werden sollen. Weitere 27 Arbeitsplätze sollen an den Standort Erlangen verlagert werden. Auch wenn bislang kein konkreter Zeitplan genannt wurde, ist nach bisherigen Erfahrungen von einer zügigen Umsetzung auszugehen.
Der Stellenabbau trifft damit das Herzstück des Standorts Ebern: Die Forschung und Entwicklung gilt faktisch als vor dem Aus. Betroffen sind hoch qualifizierte Fachkräfte, die den Standort in der Vergangenheit mit innovativen Entwicklungen geprägt haben. Die Auswirkungen dieser Entscheidung reichen weit über das Unternehmen hinaus und betreffen die gesamte Region, insbesondere den nördlichen Landkreis.
Dort zeigt sich seit Jahren eine strukturelle Schwächung: Produktionsstandorte verschwinden oder werden deutlich verkleinert – wie bereits vor zwei Jahren bei Schaeffler in Eltmann oder nun erneut bei Valeo in Ebern. Der nördliche Landkreis gilt zudem als ehemaliges Zonenrandgebiet und ist infrastrukturell benachteiligt. Fehlende direkte Autobahnanbindungen sowie lange vernachlässigte Investitionen in die Strominfrastruktur erschweren die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich.
Hinzu kommen Altlasten aus der Vergangenheit. Die Schließung des Bundeswehrstandorts Ebern erfolgte ohne nennenswerte Unterstützung durch den Bund – ein Einschnitt, dessen Folgen bis heute spürbar sind. Zwar wird der Neubau der Landesbaudirektion im Rahmen der Behördenverlagerung als positives Signal gewertet, doch kann dieser die strukturellen Verluste nicht vollständig kompensieren.
Besonders problematisch ist die demografische Entwicklung: Eine alternde Bevölkerung und die Abwanderung junger Menschen verstärken Leerstände und schwächen die kommunalen Strukturen. Als ländlich geprägte Region mit begrenzten finanziellen Mitteln stoßen Kommunen zunehmend an ihre Grenzen.
Landrat Wilhelm Schneider kündigte an, weiterhin aktiv das Gespräch zu suchen: „Bereits bei den ersten Entscheidungen zum Stellenabbau habe ich sofort Gespräche mit dem Betriebsrat, der IG Metall in Bamberg und dem Bürgermeister geführt. Diese Gespräche werden angesichts der aktuellen Entwicklung fortgesetzt.“ Auch die Kontakte zur Bayerischen Staatsregierung sollen intensiviert werden.
Abschließend macht Schneider deutlich, worum es geht: „Es geht um unsere Region, unsere Menschen – ihre Lebensgrundlage und ihre Chancen.“
