Klasse M4 der Franziskus-Schule Schweinfurt nach der Theateraufführung „Rico und die Klautörtchen“
Die Klasse M4 der zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Franziskus-Schule nach einer gelungenen Theateraufführung im Gemeindesaal Maria Hilf (von links): Schulbegleiterin Nicole Mauer, Christian Köhler, Mitglied der Kirchenverwaltung, die Schauspieler der Klasse M4 in ihren Rollen, Klassenlehrer Stefan Gutwerk, die heilpädagogische Unterrichtshilfe Lilia Reinhardt und die pädagogische Zweitkraft Patrizia Polt. Foto: Jessica Teuschler

Franziskus-Schule Schweinfurt setzt mit Theaterprojekt ein Zeichen für Inklusion

Schweinfurt -

Mit viel Freude, Mut und schauspielerischem Talent hat die Klasse M4 der Franziskus-Schule Schweinfurt das Theaterstück „Rico und die Klautörtchen“ auf die Bühne gebracht. Die Aufführung nach dem gleichnamigen Buch von Andreas Steinhöfel begeisterte insgesamt etwa 680 Zuschauer.

Die zwölf- bis 14-jährigen Schüler der zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Schule führten bereits im zweiten Jahr in Folge ein Theaterstück für andere Schulen, Kindergärten und ihre Eltern auf. Dabei stellten sie nicht nur ihr schauspielerisches Können unter Beweis, sondern setzten zugleich ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion.

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Schüler wählten ihre Rollen selbst aus

Die Vorbereitungen begannen bereits mehrere Monate vor den Aufführungen. Zunächst las die Klasse das Buch gemeinsam im Unterricht. Anschließend durften die Schüler selbstständig auswählen, welche Rollen sie übernehmen wollten.

Mit viel Ehrgeiz übten sie ihre Texte, Dialoge und Bewegungsabläufe ein. Einige Schüler sprachen auf der Bühne sogar mit dem für die Handlung typischen Berliner Akzent. Dabei bewältigten sie teilweise lange Dialoge und präsentierten sich selbstbewusst vor dem Publikum.

Auch die benötigten Requisiten entstanden mit großem Einsatz. Bei einem Brand an der Franziskus-Schule waren im vergangenen Jahr zahlreiche Bühnengegenstände zerstört worden. Deshalb fertigten die Schüler im Werkunterricht neue Requisiten an. Die Lehrkräfte übernahmen die Kosten für benötigte Materialien selbst. Auch die Hausmeister der Schule unterstützten das Theaterprojekt tatkräftig.

Eine Geschichte über Stärken und Vorurteile

In „Rico und die Klautörtchen“ zieht Rico gemeinsam mit seiner Mutter in ein Mehrfamilienhaus in Berlin. Der Junge beschreibt sich selbst als „tiefbegabt“, da er für manche Gedanken und Zusammenhänge mehr Zeit benötigt als andere Kinder.

Um die neuen Nachbarn kennenzulernen, backen Rico und seine Mutter Törtchen und verteilen diese im Haus. Als die Törtchen plötzlich verschwinden, macht sich Rico gemeinsam mit seiner freundlichen Nachbarin Frau Dahling auf die Suche nach dem Dieb. Dabei begegnet er den Hausbewohnern, schließt neue Bekanntschaften und erlebt zahlreiche unterhaltsame Situationen.

Die Geschichte macht deutlich, dass jeder Mensch unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzt. Sie ermutigt dazu, andere nicht vorschnell zu beurteilen und genauer hinzusehen.

Großer Applaus für die jungen Schauspieler

Auf der Bühne zeigten die Schüler mit unterschiedlichen geistigen Beeinträchtigungen, darunter auch Autismus, welche Fähigkeiten und Talente in ihnen stecken. Mit großer Spielfreude, Konzentration und gegenseitiger Unterstützung meisterten sie ihre Rollen. Das Publikum würdigte die Leistung der jungen Schauspieler mit reichlich Applaus.

„Wir sind stolz auf die Leistung und die Freude beim Umsetzen des Theaterstücks“, sagte Klassenlehrer Stefan Gutwerk nach der Aufführung.

Auch die pädagogische Zweitkraft Patrizia Polt zeigte sich beeindruckt: „Das persönliche Wachstum unserer Schüler ist verrückt, die Kinder sind alle über sich hinausgewachsen.“

Unterstützung aus Schweinfurt

Der besondere Dank des Theaterteams gilt Autor Andreas Steinhöfel. Er hatte der Schule erlaubt, seine Geschichte unentgeltlich als Theaterstück aufzuführen.

Unterstützt wurden die Schüler außerdem von Christian Köhler, Mitglied der Gartenstädter Laienbühne. Er stand den jungen Schauspielern technisch und beratend zur Seite. Die Kirchenverwaltung stellte zudem den Gemeindesaal Maria Hilf kostenlos für die Aufführungen zur Verfügung.

Das Theaterprojekt zeigte eindrucksvoll, wie gemeinsames Lernen, Kreativität und kulturelle Teilhabe das Selbstvertrauen stärken können. Für die Schüler der Franziskus-Schule wurde die Bühne zu einem Ort, an dem ihre Fähigkeiten und ihre Freude am gemeinsamen Spiel im Mittelpunkt standen.

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