Polizist hält einen Taser vor Polizeifahrzeugen bei einer Übung
Schweinfurt gehört zu drei bayerischen Teststandorten für Taser im Streifendienst. In 16 von bislang 19 Einsatzlagen reichte bereits die Androhung aus. Foto: KI-generiert

Taser im Streifendienst: Polizei zieht erste positive Zwischenbilanz

Region -

Rund zwei Monate nach dem Beginn des bayerischen Taser-Pilotprojekts im Streifendienst liegt eine erste Zwischenbilanz vor. Seit Anfang Juni kamen die sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräte in 19 Einsatzlagen zum Einsatz. In 16 Fällen genügte bereits die Androhung, um die Situation zu entschärfen.

Die Zahlen beziehen sich gemeinsam auf die drei beteiligten Polizeiinspektionen Schweinfurt, Augsburg-Mitte und Regensburg-Süd. Wie viele der 19 Einsatzlagen allein auf Schweinfurt entfallen, wurde bislang nicht bekannt gegeben.

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In drei Fällen reichte die Androhung nicht aus

Nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums konnte die jeweilige Einsatzlage in 16 von 19 Fällen beendet werden, ohne dass das Gerät tatsächlich gegen die betroffene Person eingesetzt werden musste. In drei Fällen reichte die bloße Androhung demnach nicht aus.

Beim Einsatz im sogenannten Distanzmodus werden Pfeilsonden verschossen, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden bleiben. Durch elektrische Impulse soll die Muskelkontrolle der getroffenen Person vorübergehend eingeschränkt werden.

Oberflächliche Verletzungen durch die Pfeilsonden seien dabei möglich und regelmäßig zu erwarten. Darüber hinaus wurden während der bisherigen Pilotphase nach Angaben des Innenministeriums keine Verletzungen festgestellt.

Rückmeldungen der Einsatzkräfte bislang positiv

Eine Arbeitsgruppe begleitet die drei Dienststellen während der sechsmonatigen Testphase. Die bisherigen Rückmeldungen der beteiligten Einsatzkräfte fallen laut Innenministerium positiv aus. Das Distanz-Elektroimpulsgerät werde als wertvolles zusätzliches Einsatzmittel bewertet.

Eine abschließende Beurteilung sei nach rund zwei Monaten allerdings noch nicht möglich. Erst nach Abschluss des Pilotprojekts soll umfassend untersucht werden, wie sich die Geräte im Streifendienst bewährt haben.

Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob durch den Taser in gefährlichen Einsatzlagen der Gebrauch einer Schusswaffe vermieden werden kann.

Taser werden nur von Vierer-Teams mitgeführt

Der Einsatz der Geräte erfolgt während der Pilotphase ausschließlich in Teams mit vier Einsatzkräften. Dadurch soll sichergestellt werden, dass nach einer möglichen Anwendung sofort auf die betroffene Person zugegriffen und weitere polizeiliche Maßnahmen durchgeführt werden können.

Nach Einschätzung des Innenministeriums dient das Vierer-Konzept sowohl dem Schutz der Einsatzkräfte als auch der Sicherheit der betroffenen Person.

Für kleinere Polizeiinspektionen ist der Einsatz derzeit deshalb kaum möglich. Dort sind Streifen häufig nur mit zwei Polizisten besetzt. Die Polizeigewerkschaft begrüßt das Pilotprojekt grundsätzlich, sieht beim Vierer-Konzept jedoch noch offene Fragen.

Pilotprojekt startete in Schweinfurt

Die sechsmonatige Pilotphase wurde am 8. Juni 2026 in Schweinfurt offiziell gestartet. Neben der Polizeiinspektion Schweinfurt nehmen die Dienststellen Augsburg-Mitte und Regensburg-Süd teil.

Bis zum Beginn des Projekts wurden Taser in Bayern seit 2006 von Spezialeinheiten und seit 2021 auch von geschlossenen Einheiten wie dem Unterstützungskommando verwendet. Nun wird erstmals geprüft, wie sich die Geräte im regulären Wach- und Streifendienst größerer Polizeiinspektionen bewähren.

Schweinfurt NEWS berichtete bereits über den Start des Pilotprojekts.

Im Jahr 2025 insgesamt 158 Einsatzlagen

Bei den bereits mit Tasern ausgerüsteten Einheiten der Bayerischen Polizei kamen die Geräte im Jahr 2025 in insgesamt 158158 Einsatzlagen zur Anwendung. In 119 Fällen genügte bereits die Androhung, um die Situation zu entschärfen.

Das Innenministerium sieht in den Geräten ein zusätzliches Mittel, um aggressive und unübersichtliche Einsatzlagen möglichst schonend zu beenden. Kritiker warnen dagegen vor einer möglicherweise niedrigeren Hemmschwelle zur Anwendung als bei einer Schusswaffe und stellen die Wirksamkeit in bestimmten Situationen infrage.

Entscheidung über Ausweitung erst nach Projektende

Nach Abschluss der sechsmonatigen Erprobung soll die begleitende Arbeitsgruppe sämtliche Einsätze auswerten. Die Ergebnisse bilden anschließend die Grundlage für eine mögliche Ausweitung des Taser-Einsatzes auf weitere Polizeiinspektionen in Bayern.

Die bisherige Zwischenbilanz deutet auf eine häufige deeskalierende Wirkung hin. Für eine abschließende Bewertung des Nutzens und möglicher Risiken ist es nach Angaben des Innenministeriums jedoch noch zu früh.

Quellen: Bayerisches Innenministerium, BR24

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