Alter Birnenbaum in einer Landschaft im Landkreis Schweinfurt
Der Landkreis Schweinfurt ruft dazu auf, mindestens 80 Jahre alte Birnenbäume zu melden und damit seltene Sorten zu erhalten. Foto: KI-generiert

Alte Birnenbäume gesucht: Landkreis Schweinfurt bittet um Mithilfe

Lkr. Schweinfurt -

Im Landkreis Schweinfurt stehen noch ungewöhnlich viele alte Birnenbäume. Einige von ihnen könnten seltene Sorten und wertvolles Erbgut bewahren. Um diese genetische Vielfalt zu erfassen und langfristig zu erhalten, startet der Landkreis Schweinfurt eine besondere Mitmachaktion.

Gesucht werden große, alte Birnenbäume, die mindestens 80 Jahre alt sind. Bürger können entsprechende Bäume mit wenigen Klicks über die Website des Landratsamts melden.

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Warum alte Birnenbäume besonders wertvoll sind

Birnenbäume können weit über 200 Jahre alt werden. Damit erreichen sie ein deutlich höheres Lebensalter als Apfelbäume, die bis zu 120 Jahre alt werden können, oder Kirschbäume mit einem Höchstalter von ungefähr 100 Jahren.

Die alten Bäume verfügen über ein Genpotenzial, das häufig besonders gut an die klimatischen Bedingungen der Region angepasst ist. Robuste Birnensorten wachsen beispielsweise auf steinigen Weiden und Lesesteinhaufen.

Zugleich bieten die Bäume Wildtieren Nahrung und Lebensraum. Mit ihrem kräftigen Wurzelwerk können sie instabiles Gelände befestigen und kommen auch mit trockenen Standorten vergleichsweise gut zurecht.

Wie widerstandsfähig alte Birnenbäume sein können, zeigte sich nach Angaben des Landratsamts während der extremen Trockenheit im Jahr 2018. Während das Laub zahlreicher Feldgehölze vertrocknete, behielten viele alte Birnen ihr sattgrünes Laub.

Alte Wurzeln könnten für künftige Züchtungen wichtig sein

Nicht nur die Früchte und Sorten der alten Bäume sind interessant. Von Bedeutung sind auch die sogenannten Unterlagen – also die Wurzeln beziehungsweise Pflanzen, auf die eine Birnensorte aufgepfropft wurde.

In den Jahrzehnten nach 1950 kam hauptsächlich die „Kirchensaller Mostbirne“ als Unterlage zum Einsatz. Diese gilt jedoch als besonders anfällig für den sogenannten Birnenverfall. Die Krankheit kann zum Absterben der Bäume führen und tritt in weiten Teilen Deutschlands auf.

Die bislang noch unbekannten Unterlagen alter Birnbäume könnten deshalb eine wichtige Grundlage für die Zukunft bilden. Möglicherweise eignen sie sich dazu, besonders robuste und gesunde Unterlagen für neue Bäume zu gewinnen.

Gesucht werden mindestens 80 Jahre alte Birnenbäume

Der Landkreis sucht sowohl veredelte Birnenbäume als auch alte Sämlinge. Voraussetzung ist, dass die Bäume mindestens 80 Jahre alt sind.

„Ihre Teilnahme trägt dazu bei, alte Sorten zu erhalten und die lokale Obstvielfalt zu fördern. Wir suchen veredelte Bäume und alte Sämlinge. Die Birnbäume sollten älter als 80 Jahre sein. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung. Vielen Dank fürs Mitmachen“, erklärt Brigitte Goss, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Schweinfurt.

So können alte Birnenbäume gemeldet werden

Die Meldung ist mit wenigen Klicks über die Internetseite des Landkreises möglich:

Alten Birnenbaum online melden

Für Fragen steht Kreisfachberaterin Brigitte Goss auch direkt zur Verfügung:

Alte Mostbirnen bieten Potenzial für die Saftherstellung

Bislang werden Birnen vor allem als Tafel- oder Brennobst genutzt. In der Saftherstellung spielen sie dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Gerade Birnen mit Wildcharakter und alte Mostbirnen könnten jedoch eine interessante und anspruchslose Alternative zu klassischen Mostapfelsorten sein.

Viele alte Mostbirnbäume werden kaum beachtet, weil ihre kleinen Früchte wenig Aroma besitzen und sich nicht für den direkten Verzehr eignen. Ihr eigentliches Potenzial zeigt sich häufig erst bei der Verarbeitung.

Im Alpenraum gibt es noch Orte, an denen aus sogenannten Geröllbirnen Birnenmehl oder Birnenzucker gewonnen wird. Beim Einmaischen verändern sich Pektine, Fruchtsäuren und Gerbstoffe der zunächst harten und holzigen Früchte. Das Fruchtfleisch wird dabei braun, weich und süß.

Diese Eigenschaften könnten auch für Safthersteller interessant sein, die nach Alternativen zur klassischen Apfelsaftgewinnung suchen. Der Erhalt alter Birnenbäume schützt deshalb nicht nur seltene Sorten, sondern könnte zugleich neue Möglichkeiten für die regionale Verarbeitung eröffnen.

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