Nach Angaben der Handwerkskammer für Unterfranken erreicht die Zahl der neuen Ausbildungsverträge damit wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie. Im vergangenen Jahr hatten 2.320 junge Menschen eine handwerkliche Ausbildung begonnen. Trotz des fehlenden Abiturjahrgangs in Bayern war 2025 bereits ein leichtes Plus von 0,5 Prozent verzeichnet worden.

2026 setzt sich diese Entwicklung deutlicher fort: Mit 2.408 neuen Verträgen wurden 88 Ausbildungsverhältnisse mehr abgeschlossen als im Vorjahr.
„Das ist ein wirklich starkes Ergebnis“, erklärt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Die Zahlen zeigten aus seiner Sicht, dass die Bemühungen um Nachwuchs Wirkung zeigten und das Handwerk weiterhin als zukunftssicherer Karriereweg wahrgenommen werde.
Rund 22 Prozent besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit
Einen wesentlichen Anteil am Zuwachs haben nach Angaben der Kammer internationale Auszubildende. Rund 22 Prozent der neuen Azubis besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Sie kommen laut Handwerkskammer aus etwa 90 verschiedenen Nationen.
Der Anteil ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2024 lag er bei 16 Prozent, 2025 bereits bei 21 Prozent. „Ohne diesen Anteil an internationalen Auszubildenden wäre das Handwerk nicht so stark, wie es jetzt ist“, betont Paul.
Die Nachwuchsfrage betreffe nicht nur einzelne Betriebe. Fehlende Fachkräfte wirkten sich langfristig unter anderem auf die Lebensmittelversorgung, den Wohnungsbau, die Gebäudetechnik und die Energiewende aus.
Bayernweit stammen laut Handwerkskammer besonders viele neue Auszubildende aus Drittstaaten aus Vietnam. Es folgen Afghanistan, Syrien und die Ukraine.
Sprachkenntnisse bleiben eine Herausforderung
Als größtes Hindernis für eine erfolgreiche Ausbildung nennt die Handwerkskammer weiterhin unzureichende Deutschkenntnisse. Besonders in Gewerken mit einem hohen Anteil ausländischer Azubis seien Betriebe, Berufsschulen und die überbetrieblichen Bildungszentren gefordert.
Schwierigkeiten entstünden teilweise bereits vor der Einreise. Die Aussprache im Sprachunterricht der Herkunftsländer könne von der späteren Alltagssprache in Deutschland abweichen. Hinzu kämen regionale Dialekte und mögliche längere Unterbrechungen zwischen Sprachkurs und Ausbildungsbeginn.
Die Handwerkskammer sieht deshalb einen Bedarf an besserer Sprachförderung und langfristig angelegten Integrationsangeboten. Diese sollen Azubis nicht nur beim Einstieg, sondern während der gesamten Ausbildung unterstützen.

Handwerk verbindet praktische Arbeit mit moderner Technik
Die Kammer führt das wachsende Interesse an handwerklichen Berufen auch auf den Wunsch nach greifbaren und sichtbaren Arbeitsergebnissen zurück. Gleichzeitig seien viele Berufe inzwischen stark von digitalen Technologien geprägt.
Als Beispiele nennt Paul Anlagenmechaniker, die Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen digital miteinander vernetzen, sowie Schreiner, die mit computergesteuerten CNC-Maschinen arbeiten. Das moderne Handwerk verbinde damit traditionelle Fertigkeiten mit digitaler Technik.
Die in der Mitteilung erwähnte Annahme, dass auch die zunehmende Verbreitung Künstlicher Intelligenz junge Menschen stärker zu praktischen Berufen führt, wird allerdings nicht mit konkreten Studien oder Zahlen belegt. Sie ist daher als Einschätzung der Handwerkskammer einzuordnen.

Mehr als 1.500 Lehrstellen sind noch frei
Trotz des Anstiegs bei den abgeschlossenen Verträgen gibt es weiterhin zahlreiche unbesetzte Ausbildungsplätze. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind aktuell mehr als 1.500 freie Stellen aus verschiedenen Gewerken und Regionen Unterfrankens eingetragen.
Nach Einschätzung der Kammer gibt es damit weiterhin mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Jugendliche und junge Erwachsene haben deshalb auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart noch gute Chancen auf einen Einstieg in das Handwerk.
Für die kommenden Jahre sieht die Handwerkskammer zwei zentrale Aufgaben: Internationale Auszubildende sollen durch Sprachförderung und geeignete Integrationsangebote besser unterstützt werden. Gleichzeitig gilt es, mehr junge Menschen aus der Region für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen.