Vier Teilnehmer des Fachtags „Armutssensibles Handeln“ im Schweinfurter Rathaus. Die Veranstaltung beschäftigte sich mit Kinderarmut, Altersarmut und sozialer Teilhabe.
Beim Fachtag „Armutssensibles Handeln“ am 6. Oktober 2026 im Schweinfurter Rathaus diskutierten Fachleute über Kinderarmut, Altersarmut und Möglichkeiten zur Verbesserung gesellschaftlicher Teilhabe. Foto: Thorsten Schubert / Stadt Schweinfurt

Armut in Schweinfurt: Stadt gehört bei Kinder- und Altersarmut zu Bayerns Schlusslichtern

Schweinfurt - Kinderarmut, Altersarmut und soziale Benachteiligung stellen Schweinfurt vor erhebliche Herausforderungen. Bei wichtigen Armutsindikatoren gehört die Stadt innerhalb Bayerns zu den besonders stark betroffenen Kommunen. Beim Fachtag „Armutssensibles Handeln“ am 6. Oktober 2026 diskutierten Fachkräfte im Schweinfurter Rathaus darüber, wie sich Armut wirksamer bekämpfen und gesellschaftliche Teilhabe verbessern lässt. Dabei wurde deutlich: Armutsbekämpfung ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Armut betrifft Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Besonders schwerwiegend können ihre Folgen sein, wenn Kinder bereits in jungen Jahren unter finanziell schwierigen Bedingungen aufwachsen. Eingeschränkte Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten können sich langfristig auf ihre Entwicklung und ihre beruflichen Perspektiven auswirken.

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Wie ernst die Situation in Schweinfurt ist, wurde beim Fachtag „Armutssensibles Handeln“ deutlich. In der voll besetzten Diele des Schweinfurter Rathauses kamen Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen zusammen, um Ursachen, Auswirkungen und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Sozialreferat der Stadt Schweinfurt in Zusammenarbeit mit Interkult e.V.

Schweinfurt bei wichtigen Armutsindikatoren besonders betroffen

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Sozialreferent Jürgen Montag die soziale Situation in Schweinfurt dar.

Nach seinen Ausführungen gehört die Stadt bei mehreren Armutsindikatoren zu den bayerischen Schlusslichtern. Besonders auffällig seien die Kinderarmut, die SGB-II-Quote und die Altersarmut.

Die SGB-II-Quote beschreibt den Anteil der Menschen, die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch beziehen.

Die beim Fachtag vorgestellten Ergebnisse verdeutlichten, dass Armut keineswegs nur einzelne Bevölkerungsgruppen betrifft. Finanzielle Schwierigkeiten können sich durch unterschiedliche Lebensphasen ziehen und sowohl Kinder und Familien als auch ältere Menschen belasten.

Konkrete Vergleichszahlen für Schweinfurt wurden in der vorliegenden Mitteilung allerdings nicht genannt.

Expertin: Armut ist kein individuelles Versagen

Einen wissenschaftlichen Blick auf die Ursachen und Folgen von Armut warf Dr. Irina Volf, Direktorin des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS).

In ihrem Vortrag stellte sie aktuelle Erkenntnisse vor und bezog die Teilnehmer über digitale Befragungen aktiv ein.

Eine ihrer zentralen Botschaften: Armut dürfe nicht als persönliches Versagen betrachtet werden.

Vielmehr seien häufig gesellschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass Menschen in finanzielle Notlagen geraten oder sich nur schwer daraus befreien können.

Nach den im Vortrag präsentierten Daten sind bundesweit rund 13 Millionen Menschen von Armut betroffen.

Besonders wichtig sei die frühzeitige Unterstützung von Kindern und Familien. Denn bereits in den ersten Lebensjahren würden wesentliche Grundlagen für spätere Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen.

Wer Armut nachhaltig reduzieren wolle, müsse deshalb möglichst früh ansetzen.

Warum Armutsbekämpfung auch die Demokratie stärken kann

Ein weiterer Schwerpunkt des Fachtages war der Zusammenhang zwischen sozialen Lebensbedingungen und politischer Zufriedenheit.

Dr. Volf erläuterte, dass Menschen in Regionen mit ausgeprägten sozialen Problemlagen und geringen Zukunftsperspektiven häufig eine niedrigere Zufriedenheit mit der Politik aufweisen.

Damit erhielt die Diskussion eine gesellschaftspolitische Dimension.

Die Referentin stellte heraus, dass Maßnahmen gegen Armut auch einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Strukturen leisten können.

Wenn Menschen gesellschaftliche Teilhabe erleben und realistische Chancen auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation haben, kann dies auch das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen fördern.

Stuttgart zeigt Möglichkeiten kommunaler Sozialpolitik

Wie Städte langfristig auf soziale Herausforderungen reagieren können, erläuterte Dr. Alexandra Sußmann, Bürgermeisterin für Soziales, Gesundheit und Integration der Landeshauptstadt Stuttgart.

Sie stellte Erfahrungen aus der kommunalen Sozialpolitik vor und zeigte, wie Hilfsangebote möglichst nah an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen entwickelt werden können.

Ein wichtiger Ansatz ist dabei die sogenannte sozialräumliche Arbeit.

Dahinter steht die Überlegung, dass unterschiedliche Stadtteile auch unterschiedliche soziale Herausforderungen haben.

Während in einem Quartier beispielsweise Angebote für Familien besonders wichtig sein können, stehen in anderen Stadtteilen möglicherweise die Unterstützung älterer Menschen oder bessere Möglichkeiten gesellschaftlicher Begegnung im Vordergrund.

Stuttgart setzt dabei unter anderem auf Stadtteilzentren, Beteiligungsmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.

Solche Ansätze könnten auch für die Weiterentwicklung der Sozialarbeit in Schweinfurt Anregungen bieten.

Workshops entwickeln Ideen für Schweinfurt

Nach den Fachvorträgen beschäftigten sich die Teilnehmer in mehreren Workshops mit konkreten Handlungsmöglichkeiten.

Diskutiert wurde insbesondere, wie bestehende Unterstützungsangebote besser zugänglich gemacht, soziale Benachteiligungen früher erkannt und Teilhabemöglichkeiten verbessert werden können.

Dabei ging es nicht ausschließlich um finanzielle Hilfen.

Auch die Ansprache betroffener Menschen, ein respektvoller Umgang sowie niedrigschwellige Zugänge zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten spielten eine wichtige Rolle.

Die Teilnehmer entwickelten verschiedene Ideen und mögliche Lösungsansätze für die weitere praktische Arbeit in Schweinfurt.

Welche Maßnahmen davon tatsächlich umgesetzt werden, geht aus der Veranstaltungsmitteilung noch nicht hervor.

Oberbürgermeister Hofmann verweist auf schwierige Haushaltslage

In der abschließenden Podiumsdiskussion stand auch die Frage im Mittelpunkt, wie Schweinfurt angesichts seiner angespannten finanziellen Situation wirksame Sozialpolitik gestalten kann.

Oberbürgermeister Ralf Hofmann verwies auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des ehrenamtlichen Engagements.

„Wir stehen vor großen finanziellen Herausforderungen und müssen mit begrenzten Mitteln sehr genau hinschauen, wo wir ansetzen können. Dabei können wir uns auf eine große Stärke Schweinfurts verlassen: den Zusammenhalt und das Engagement unserer Stadtgesellschaft. Armutsbekämpfung ist keine Aufgabe, die allein die Stadtverwaltung lösen kann. Jeder in Schweinfurt ist gefordert“, erklärte Hofmann.

Nach Auffassung der Beteiligten müssen deshalb neben der Stadtverwaltung auch soziale Einrichtungen, Bildungsträger, Vereine, Unternehmen und Bürger Verantwortung übernehmen.

Armutssensibles Handeln beginnt beim Umgang miteinander

Zum Abschluss machte Dr. Irina Volf deutlich, dass der Umgang mit Armut auch eine Frage der persönlichen und institutionellen Haltung sei.

Menschen dürften nicht allein auf ihre finanziellen Schwierigkeiten reduziert oder durch Vorurteile zusätzlich benachteiligt werden.

Vielmehr gehe es darum, ihre Lebensumstände zu verstehen, bestehende Hindernisse abzubauen und Hilfsangebote so zu gestalten, dass Betroffene diese tatsächlich nutzen können.

Der Fachtag zeigte damit zahlreiche Handlungsfelder für Schweinfurt auf.

Entscheidend wird nun sein, welche konkreten Maßnahmen aus den Diskussionen hervorgehen und wie diese angesichts der begrenzten kommunalen Finanzmittel umgesetzt werden können.

Die Veranstaltung wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert und gemeinsam von Interkult e.V. und dem Sozialreferat der Stadt Schweinfurt durchgeführt.

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