Die anhaltende Trockenheit verschärft die Niedrigwasserlage in Unterfranken. Seit fünf Monaten fällt in Bayern zu wenig Regen. Besonders Nordbayern leidet unter einem erheblichen Niederschlagsdefizit. Flüsse und Bäche führen immer weniger Wasser, zahlreiche Grundwassermessstellen melden niedrige oder sehr niedrige Werte.
Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt fielen in Nordbayern zwischen dem 1. November 2025 und dem 30. Juli 2026 insgesamt 403 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das entspricht lediglich 67 Prozent des langjährigen Mittels der Jahre 1971 bis 2000. Damit fehlen rund 33 Prozent der normalerweise zu erwartenden Niederschlagsmenge.
Grundwasserstände auf niedrigem Niveau
Die Trockenheit ist inzwischen deutlich im Boden angekommen. Bayernweit zeigen 84 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige oder sehr niedrige Werte. Bei den tieferen Grundwasserstockwerken sind es 76 Prozent der untersuchten Messstellen.
Bei 59 Prozent der oberflächennahen Messstellen wird die Situation bereits als „sehr niedrig“ eingestuft. An immer mehr Stationen werden neue Niedrigstwerte registriert. Auch im nördlichen Franken weisen zahlreiche Messstellen eine ausgeprägte Niedrigwassersituation auf.
Das Landesamt bezeichnet die Lage als deutlich angespannt. Zum Vergleich: Anfang August 2025 lagen 34 Prozent der oberflächennahen Messstellen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich. Im vergleichsweise regenreichen Jahr 2024 waren es lediglich sieben Prozent.
Rund 70 Prozent der bayerischen Flusspegel betroffen
Auch an den Fließgewässern verschärft sich die Situation. Rund 70 Prozent der bayerischen Messstellen verzeichnen aktuell Abflüsse unterhalb des langjährigen mittleren Niedrigwasserabflusses. An vielen Stellen wird dieser Grenzwert bereits seit längerer Zeit deutlich unterschritten.
Die häufig in Medien genannte Zahl von 70 Prozent bezieht sich dabei auf die Messstellen in ganz Bayern und nicht ausschließlich auf Unterfranken. Die Region gehört jedoch zu den besonders trockenen Gebieten des Freistaats.
Örtliche Regenfälle bringen nach Einschätzung der Fachleute nur eine kurzfristige Entlastung. Gleichzeitig steigt die Zahl der vollständig trockenfallenden Gewässerabschnitte. Hohe Wassertemperaturen und niedrige Sauerstoffwerte belasten Fische und andere Wasserorganismen zusätzlich. Das Landesamt stuft die gewässerökologische Gesamtsituation als kritisch ein.
Weniger Wasser für das Maingebiet
Auch die Unterstützung des Maingebiets durch das Donau-Main-Überleitungssystem ist derzeit eingeschränkt. Weil der erforderliche Mindestabfluss der Donau am Pegel Kelheimwinzer unterschritten wird, kann aktuell kein Donauwasser in das Maingebiet übergeleitet werden.
Eine begrenzte Niedrigwasseraufhöhung erfolgt noch durch Wasserabgaben aus dem Großen Brombachsee und dem Rothsee. Nach Angaben des Landesamtes hat sich die Abflusssituation am Main durch die Einschränkung des Überleitungssystems dennoch verschärft.
Aktuell gilt für den Main keine Warnstufe nach dem ökologischen Alarmplan. Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt und Abfluss befinden sich jedoch weiterhin auf einem angespannten und labilen Niveau.
Erste Landkreise verbieten Wasserentnahmen
In mehreren Teilen Unterfrankens wurden bereits Einschränkungen erlassen. Im Landkreis Würzburg ist die Entnahme von Wasser aus Flüssen, Bächen, Seen und Teichen seit dem 25. Juli grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind Main und Tauber. Einzelne Flüsse und Bäche im Landkreis sind nach Angaben des Landratsamtes bereits vollständig trockengefallen.
Die Entnahme mit Eimern oder Gießkannen bleibt dort erlaubt, sofern keine Pumpen oder andere Maschinen verwendet werden. Die Regelung gilt zunächst bis zum 31. August 2026. Weitere Informationen veröffentlicht das Landratsamt Würzburg.
Auch in anderen unterfränkischen Gebieten gelten Beschränkungen. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich jedoch. Vor einer Wasserentnahme aus einem Bach, Fluss oder See sollte deshalb immer bei der zuständigen Gemeinde oder dem Landratsamt nachgefragt werden.
Für Stadt und Landkreis Schweinfurt ist mit Stand vom 6. August 2026 keine flächendeckende Allgemeinverfügung zur Wasserentnahme bekannt.
Trinkwasserversorgung weiterhin gesichert
Trotz der angespannten Lage ist die öffentliche Trinkwasserversorgung nach Angaben des Landesamtes weiterhin gewährleistet. Versorgungsengpässe bei den Verbrauchern sind derzeit nicht bekannt.
Bei verschiedenen Quellen und Brunnen gehen die verfügbaren Wassermengen allerdings zurück. In Einzelfällen mussten Brunnen bereits außer Betrieb genommen werden. Sollte die Trockenheit anhalten, könnten weitere Anlagen betroffen sein. Immer mehr Wasserversorger rufen deshalb zu einem sparsamen Umgang mit Trinkwasser auf.
Empfohlen wird insbesondere, auf das Bewässern von Rasenflächen, das Befüllen privater Pools und das Waschen von Autos mit Trinkwasser möglichst zu verzichten.
Keine schnelle Entspannung erwartet
Eine nachhaltige Verbesserung der Lage ist zunächst nicht zu erwarten. Die Wettervorhersagen gehen von weiterhin zu warmen und zu trockenen Wochen aus. Grundwasserstände und Quellschüttungen dürften deshalb weiter sinken.
Die vollständige aktuelle Einschätzung ist im Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt abrufbar.
