29. Februar 2024

Trotz positiver Gästezahlen 2023: Gedrückte Stimmung im Tourismus

Der Landkreis Bad Kissingen führt die Übernachtungsstatistik mit großem Abstand an. Im Jahr 2023 kamen rund zwei Millionen Übernachtungsgäste.
Der Landkreis Bad Kissingen führt die Übernachtungsstatistik mit großem Abstand an. Im Jahr 2023 kamen rund zwei Millionen Übernachtungsgäste.
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Region – Im Jahr 2023 sind die touristischen Übernachtungszahlen in Mainfranken gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen, wie jüngste Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und der IHK zeigen. Dennoch bleibt die Lage für viele Tourismusbetriebe angespannt.

Im Jahr 2019 – also vor der Coronapandemie – waren rund 6,3 Millionen Übernachtungsgäste aus dem In- und Ausland nach Mainfranken gekommen. Die Kontakt- und Reisebeschränkungen hatten in den Jahren 2020 und 2021 zu einem massiven Einbruch geführt. Im Jahr 2022 folgte die erste Erholung. Und auch im Jahr 2023 setzt der mainfränkische Tourismus seinen Erholungsprozess fort: Mit rund 6,2 Millionen Übernachtungen wird das Vor-Corona-Niveau nur noch knapp verfehlt. Die Zahlen entsprechen einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Prozent. „Es ist erfreulich, dass es im mainfränkischen Tourismus weiter aufwärts geht.

Die Branche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region und trägt wesentlich zur positiven Außenwahrnehmung bei“, erklärt IHK-Bereichsleiter Dr. Christian Seynstahl. Auch wenn das Vor-Corona-Niveau um rund 108.500 Übernachtungen verfehlt wurde, sei der erneute Anstieg der Übernachtungszahlen ein gutes Zeichen. Die Daten würden zudem belegen, dass die Touristen nun im Schnitt etwas länger in der Region verweilen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 2,6 Tagen. Im Jahr 2019 waren es 2,5 Tage pro Jahr.

Tourismus in den Landkreisen

Ein Blick in die einzelnen Landkreise zeigt jedoch deutliche Unterschiede: Während die Übernachtungszahlen in den Städten Würzburg und Schweinfurt gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent beziehungsweise 13 Prozent gestiegen sind, war der Anstieg in den Landkreisen Kitzingen und Rhön-Grabfeld mit vier beziehungsweise sechs Prozent am geringsten. „Tagungen, Messen, Kongresse, Kulturevents und Geschäftsreisen haben wieder deutlich zugelegt, davon profitieren insbesondere die Städte. Sie haben jedoch in den Corona-Jahren 2020 und 2021 auch die stärksten Einbußen verkraften müssen, wohingegen eher ländlich geprägte, naturnahe Destinationen auch während der Coronazeit vom Urlaub zuhause profitiert haben“, erklärt Seynstahl.

Die meisten Übernachtungen in Mainfranken entfielen 2023 auf den Landkreis Bad Kissingen (rund 2,0 Millionen), gefolgt von der Stadt Würzburg (rund 956.000). Die geringsten Übernachtungszahlen verzeichnete der Landkreis Schweinfurt (rund 107.000). Prozentual etwas stärker stieg im Vorjahresvergleich der internationale Reiseverkehr. So haben im Jahr 2023 gut zwölf Prozent mehr Gäste aus dem Ausland in Mainfranken übernachtet. Bei inländischen Gästen waren es rund neun Prozent.

Konjunktur: Tourismusbetriebe blicken pessimistisch auf 2024

Wie die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturbefragung zu Jahresbeginn 2024 für das mainfränkische Tourismusgewerbe zeigen, hat die Geschäftstätigkeit der Unternehmen im Vergleich zur Vorbefragung im Herbst 2023 deutlich nachgelassen. Derzeit bewerten 61 Prozent der Touristiker ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend, im Herbst 2023 waren es noch 85 Prozent gewesen. Per Saldo erreichen die Lagebeurteilungen heute einen Wert von minus 26 Punkten, gegenüber 34 Punkten im vergangenen Herbst.

Mit Blick auf das laufende Jahr 2024 bleibt die Stimmung in der Branche pessimistisch. Sie hat sich gegenüber der Vorbefragung sogar nochmals verschlechtert. Kein Tourismusbetrieb erwartet in den kommenden Monaten bessere Geschäfte, jeder Zweite rechnet sogar mit Einbußen. Die Touristiker rechnen vor allem mit einer geringeren Nachfrage im Bereich der Tagestouristen und Urlaubsreisenden. Die Hoffnung ruht allein auf den Geschäftsreisenden. „Die Tourismusbranche kann sich dem Stimmungstief der übrigen Wirtschaft nicht entziehen. Die Betriebe ächzen unter hohen Kosten, einer enormen Bürokratie sowie unter einer fehlenden Planungssicherheit“, so IHK-Referentin Elena Fürst. So gelten die Energie- und Rohstoffpreise für rund neun von zehn Tourismusbetrieben als größtes Konjunkturrisiko, dicht gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Insgesamt hat die Risikobewertung seit der letzten Befragung massiv zugenommen.

Vier der acht Konjunkturrisiken, die wir bei unseren Konjunkturbefragungen abfragen, erreichen jeweils Werte über 70 Prozent, das ist ein neuer Rekord“, erläutert Fürst. Neben den beiden zuvor genannten Risiken sind dies die Entwicklung der Arbeitskosten (79 Prozent) sowie der Arbeits- und Fachkräftemangel (74 Prozent).