Ein ungewöhnlicher Arbeitstag hat in der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Schweinfurt in Sennfeld für neue Perspektiven gesorgt. Unter dem Motto „Bereit für Neues – Arbeitswechsel“ tauschten alle Mitarbeitenden ohne Behinderung für einen Tag ihre Arbeitsplätze – mit spürbaren Auswirkungen auf Teamgeist und gegenseitiges Verständnis.
Mitten im laufenden Betrieb übernahmen die Beschäftigten neue Aufgaben. In der Halle bei Kühne in Gochsheim arbeitete Werkstattleiter Günter Scheuring selbst als Gruppenleiter in der Außengruppe – eine Tätigkeit, die er normalerweise organisiert. Acht Stunden lang packte er aktiv mit an und erlebte den Arbeitsalltag aus einer neuen Perspektive.
Alltag neu erleben
Die Idee für den Arbeitsplatztausch entstand bereits im Jahr 2024. Nach einem freiwilligen Testlauf 2025 wurde der Perspektivwechsel nun erstmals verbindlich umgesetzt. Per Losverfahren wurde entschieden, wer welche Aufgabe übernimmt. Nur zentrale Schnittstellen blieben ausgenommen.
Rund 530 Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten in der Werkstatt Sennfeld. Das Spektrum reicht von Montage- und Verpackungsarbeiten bis hin zu handwerklicher Fertigung in Schreinerei und Schlosserei. Gerade bei personellen Engpässen ist Flexibilität gefragt – ein Umstand, der durch den Schulungstag besonders greifbar wurde.
„Es ist wichtig, die Arbeit selbst auszuprobieren, um ein Verständnis füreinander zu entwickeln“, erklärt Werkstattleiter Scheuring.
Neue Einblicke in andere Arbeitsbereiche

Auch für viele andere Mitarbeitende brachte der Tag neue Erfahrungen. In der Schlosserei montierte Jessica Dülk, die sonst in der Förderstätte tätig ist, Stoßdämpfer und lernte die Abläufe der Produktion kennen. „Hier sieht man, wie viel Menschen mit Behinderung leisten“, sagt sie.
In der Förderstätte wiederum unterstützte Werner Bötsch beim Kochen und bei kreativen Angeboten wie dem Bemalen von Ostereiern. Für ihn ist der Einsatz in anderen Bereichen zwar nicht neu – dennoch bleibt der Perspektivwechsel wertvoll: „Man sieht, wie jeder seinen Beitrag zum großen Ganzen leistet.“
Auch der stellvertretende Werkstattleiter Andreas Roth war an diesem Tag in einem völlig anderen Bereich im Einsatz. Im Pflegebereich unterstützte er unter anderem bei der Essensausgabe und alltäglichen Hilfestellungen. „Wir sind alle für unsere Mitarbeiter mit Behinderung da – unabhängig von unserer eigentlichen Funktion“, betont Roth.
Verständnis wächst durch Perspektivwechsel

Simon Ebert, Fachkraft für Lagerlogistik, sammelte in der Förderstätte neue Eindrücke – insbesondere im Umgang mit Menschen, die nicht sprechen können. „Man bekommt einen ganz anderen Einblick in den Alltag der anderen“, beschreibt er seine Erfahrung.
Am Ende des Tages bleibt für viele Beteiligte mehr als nur ein Rollenwechsel. Der Schulungstag hat gezeigt, wie wichtig gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit im Arbeitsalltag sind.
„Der Schulungstag bietet uns die Möglichkeit, uns und die Werkstatt besser kennenzulernen und Verständnis füreinander zu entwickeln“, fasst Werkstattleiter Günter Scheuring zusammen.
