Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön hat im Jahr 2025 spürbar an Dynamik verloren. Rezession und struktureller Wandel hinterlassen deutliche Spuren: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, die Zahl der offenen Stellen gesunken und auch die Beschäftigung rückläufig. Das geht aus dem aktuellen Jahresarbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Schweinfurt hervor.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote erhöhte sich im Jahresverlauf auf 3,8 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 3,5 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 9.330 Menschen arbeitslos gemeldet – 449 mehr als 2024. Besonders betroffen war der Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), in dem die Zahl der Arbeitslosen deutlich auf 5.053 anstieg. Im Bereich der Jobcenter (SGB II) blieb die Zahl mit 4.277 Personen nahezu stabil.
Trotz des Anstiegs sieht Agenturleiter Richard Paul die Region weiterhin vergleichsweise robust. „Die Zahlen sprechen für sich: Die Arbeitslosigkeit ist 2025 gestiegen. Allerdings liegen wir in der Region Main-Rhön immer noch unter dem Bayern-Schnitt und deutlich unter den Zahlen im Bund“, betont Paul. Das zeige die Widerstandsfähigkeit des regionalen Arbeitsmarktes.
Weniger Stellen, schwierige Passung
Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ging 2025 deutlich zurück. Der Bestand gemeldeter Arbeitsstellen sank auf 4.892 – ein Minus von fast zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders problematisch ist die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bei gering Qualifizierten: Auf 4.648 arbeitslose Helfer kamen lediglich 864 offene Stellen. Aber auch bei Fachkräften gibt es zunehmend Passungsprobleme, da häufig zusätzliche Qualifikationen erforderlich sind.
Beschäftigung rückläufig – Industrie besonders betroffen
Auch die Beschäftigung entwickelte sich rückläufig. Zum Stichtag 30. Juni 2025 waren in der Region 177.304 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – rund 1.600 weniger als im Jahr zuvor. Den stärksten Rückgang verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Minus von 2.561 Beschäftigten. Allein im Maschinenbau sind seit 2015 mehr als 2.300 Arbeitsplätze weggefallen.
Positive Impulse kamen dagegen aus Bereichen wie Erziehung und Unterricht, der öffentlichen Verwaltung, den Immobilien- und Dienstleistungsbranchen sowie aus Verkehr und Lagerei.
Auffällig ist zudem: Vor allem Männer sind vom Beschäftigungsabbau betroffen, während die Beschäftigung von Frauen weiter leicht zunahm. Rückgänge gab es insbesondere bei den über 50-Jährigen und bei jungen Menschen unter 25 Jahren. Gleichzeitig steigt die Zahl ausländischer Beschäftigter weiter an.
Kurzarbeit nimmt wieder zu
Kurzarbeit bleibt ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Die Ausgaben für konjunkturelles Kurzarbeitergeld haben sich 2025 nahezu verdoppelt – von 3,0 auf 5,9 Millionen Euro. Gleichzeitig gingen die Ausgaben für Insolvenzgeld deutlich zurück.
Insgesamt unterstützte die Agentur für Arbeit die Region mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Die Ausgaben für Arbeitslosengeld I stiegen auf 117,7 Millionen Euro, für Bürgergeld auf 51,0 Millionen Euro. Auch die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik und Qualifizierungsmaßnahmen wurden weiter erhöht.
Ausblick 2026: Arbeitslosigkeit steigt leicht weiter
Für 2026 rechnet die Agentur für Arbeit mit einem moderaten weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem weiteren Rückgang der Beschäftigung – vor allem in der Industrie. Wachstumsimpulse werden vor allem in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Dienstleistungen erwartet.
Richard Paul setzt dabei auf Qualifizierung: „Gute Leute werden immer gebraucht. Wir fördern Qualifizierung für Betriebe, Beschäftigte und Arbeitssuchende und starten 2026 eine Qualifizierungsoffensive, um die Transformation zu unterstützen.“
