Die Stadt Schweinfurt und die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Rückkehr zum alten Stadtbussystem“ haben sich nach intensiven Gesprächen auf einen Kompromiss verständigt. Infolge dieser Einigung haben die Initiatoren ihren Antrag auf Durchführung eines Bürgerentscheids zurückgezogen. Damit erledigt sich zugleich auch das vom Stadtrat beschlossene Ratsbegehren.
Der Stadtrat hatte in seiner Sitzung am 16. Dezember 2025 die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt und als Abstimmungstermin ursprünglich Sonntag, 22. Februar 2026, festgelegt. Parallel dazu wurden jedoch Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, Stadtwerken und den Initiatoren geführt – mit dem Ziel, mögliche Anpassungen am neuen Stadtbussystem gemeinsam auszuloten. Diese Gespräche waren nun erfolgreich.
Klare Leitplanken für den Kompromiss
Grundlage der Vereinbarung sind mehrere verbindliche Voraussetzungen:
Die Kostenneutralität muss gewahrt bleiben, das ÖPNV-Defizit darf nicht steigen, die Arbeitsbedingungen der Fahrerinnen und Fahrer dürfen sich nicht verschlechtern und die Vorgaben des Nahverkehrsplans – insbesondere eine gleichmäßige ÖPNV-Verfügbarkeit im gesamten Stadtgebiet – bleiben bestehen.
Auf dieser Basis wurden unter anderem folgende Anpassungen erarbeitet:
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Treffpunkte der Busse am Roßmarkt nicht nur zur halben, sondern auch zur Viertelstunde
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Umlaufzeiten künftig 30, 45 oder 60 Minuten
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Anschlüsse am Roßmarkt zu :00 / :15 / :30 / :45
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Zeitlich versetzte Bedienung von Nachbargebieten
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Beibehaltung des Prinzips der Durchmesserlinien
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Einsatz von Verstärkerfahrten auf Teilstrecken zur punktuellen Taktverdichtung
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Einführung eines zweigeteilten Angebots aus „Tagesnetz“ und „Freizeitnetz“ (abends und sonntags)
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Vermeidung von Endhaltestellen bei möglichen Ringlinien
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Bestmögliche Anbindung des Marktplatzes unter Berücksichtigung anderer Verkehrsträger, Märkte und Veranstaltungen
Umsetzung in mehreren Schritten
Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Umsetzung der vereinbarten Änderungen äußerst komplex ist. Sie erfordert unter anderem einen vollständig neuen Fahrplan, Anpassungen am gemeinsamen Nahverkehrsplan von Stadt und Landkreis Schweinfurt, Abstimmungen mit der Nahverkehr Mainfranken GmbH, dem Betriebsrat der Stadtwerke, dem Aufsichtsrat sowie der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke. Auch eine Neuerteilung von Liniengenehmigungen und die Zustimmung des Stadtrats sind notwendig.
Vor diesem Hintergrund ist eine schrittweise Vorbereitung und Umsetzung vorgesehen. Ein erster konkreter Schritt soll bereits zum Fahrplanwechsel im August 2026 erfolgen: Dann soll die Linie 100 (Bergl–Deutschhof) neu aufgestellt werden.
Positive Resonanz auf beiden Seiten
Oberbürgermeister Sebastian Remelé dankte allen Beteiligten für die offene, sachliche und konstruktive Zusammenarbeit während der Verhandlungsrunden. Auch die Vertreter des Bürgerbegehrens zeigten sich zufrieden mit dem erzielten Ergebnis.
„Dieses Bürgerbegehren hatte für uns eine steile Lernkurve“, erklären Bach und Bender. Man habe erkannt, wie rechtlich eng ein Bürgerbegehren gefasst sei und dass es letztlich nur ein „Ganz oder gar nicht“ gebe. Diese Erkenntnis habe den Weg für Verhandlungen geöffnet. Beide sind überzeugt, dass die nun gefundenen Lösungen für die Buskundinnen und -kunden mehr Vorteile bringen als ein Bürgerentscheid es vermocht hätte. Ihren ausdrücklichen Dank richteten sie an die fairen und kooperativen Gesprächspartner aus Stadt und Stadtwerken.
Durch die am 15. Januar 2026 eingereichte Rücknahme des Bürgerbegehrens hat sich auch das vom Stadtrat beschlossene Ratsbegehren formell erledigt.