Das Interesse an einer beruflichen Selbstständigkeit nimmt sowohl in Mainfranken als auch bundesweit weiter zu. Das zeigen die regionalen Gewerbezahlen für das erste Halbjahr 2026 und der aktuelle Report „Unternehmensgründungen 2026“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.
In Mainfranken wurden von Januar bis Juni 2026 insgesamt 4.461 Gewerbe angemeldet. Gleichzeitig registrierten die Behörden 3.290 Gewerbeabmeldungen. Daraus ergibt sich ein positiver Saldo von 1.171 Betrieben.
Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der Gewerbeanmeldungen um rund 12,6 Prozent. Die Zahl der Abmeldungen ging unterdessen leicht zurück.
Region Schweinfurt deutlich im Plus
Die höchsten positiven Salden wurden in der Stadt Würzburg mit 206 und im Landkreis Würzburg mit 187 zusätzlichen Betrieben erreicht. Auch andere Teile Mainfrankens verzeichneten eine positive Entwicklung.
Im Landkreis Schweinfurt lag der Saldo bei 173 Betrieben. Für die Stadt Schweinfurt wurde ein Plus von 72 Betrieben gemeldet. Die Landkreise Haßberge und Bad Kissingen kamen auf positive Salden von 155 beziehungsweise 152 Betrieben.
Selbstständigkeit häufig als berufliche Alternative
Die steigenden Zahlen bedeuten nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern jedoch nicht automatisch einen breiten unternehmerischen Aufbruch. Viele Menschen entscheiden sich demnach in wirtschaftlich unsicheren Zeiten für eine Gründung, weil sie nach einer beruflichen Alternative suchen.
Bundesweit stieg die Zahl der ersten Gründungsgespräche bei den Industrie- und Handelskammern 2025 um 13 Prozent. Bei den intensiven Gründungsberatungen wurde sogar ein Anstieg um 15 Prozent verzeichnet.
Insgesamt 36 Prozent der beratenen Gründer gaben an, dass fehlende alternative Erwerbsmöglichkeiten ein entscheidender Beweggrund für ihre Selbstständigkeit waren. Das ist laut DIHK der höchste Wert seit elf Jahren.
Neue Chancen durch KI und Digitalisierung
Zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten entstehen durch technologische Entwicklungen. Besonders Künstliche Intelligenz, Digitalisierung sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien eröffnen nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern neue Marktchancen.
Potenzial sehen die Kammern insbesondere in den Bereichen KI, Robotik, Sensorik, Kommunikation und Cybersicherheit. Diese Entwicklungen könnten die Entstehung einer neuen Generation technologieorientierter Unternehmen und Start-ups fördern.
Anteil der Frauen erreicht Höchststand
Auch das Gründungsinteresse von Frauen bleibt hoch. Ihr Anteil an den bundesweiten IHK-Gründungsberatungen erreichte zuletzt 44 Prozent und damit einen historischen Höchststand.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in Mainfranken. Inzwischen nutzen dort nahezu ebenso viele Frauen wie Männer die Beratungsangebote der Industrie- und Handelskammer.
Die IHK unterstützt angehende Unternehmer mit verschiedenen Informations- und Beratungsangeboten. Dazu gehört die digitale Plattform „Unternehmenswerkstatt Deutschland“. Sie begleitet Gründer von der ersten Geschäftsidee über die Business- und Finanzplanung bis zur konkreten Umsetzung.
