Die Zukunft der Stadthalle Schweinfurt ist weiter ungewiss. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage der Stadt steht auch ein Verkauf des Gebäudes zur Diskussion. Der Betreiber Kolping Schweinfurt hält diesen Weg jedoch für falsch und verweist auf die kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Halle.
Um diese Bedeutung mit Zahlen zu belegen, hat Kolping die DWIF-Consulting GmbH mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen beauftragt. Die Analyse berücksichtigt unter anderem die Umsätze, die Wertschöpfung sowie die Einkommens-, Arbeitsplatz- und Steuereffekte, die mit dem Betrieb der Stadthalle verbunden sind.
Rund 31.750 Besucher im Jahr 2025
Nach den Ergebnissen des Gutachtens kamen 2025 rund 31.750 Besucher zu Veranstaltungen in die Stadthalle. Fast 29.000 davon entfielen auf Kultur- und Freizeitveranstaltungen.
Die Besucher geben ihr Geld jedoch nicht ausschließlich in der Halle aus. Auch Restaurants, Hotels, Geschäfte, Verkehrsbetriebe und weitere Dienstleister in Schweinfurt profitieren. Laut der Untersuchung entstehen außerhalb der Stadthalle jährlich zusätzliche Umsätze von rund 1,23 Millionen Euro.
Insgesamt beziffert das Gutachten die wirtschaftlichen Effekte auf etwa 1,47 Millionen Euro im Jahr. Für jeden Euro, der unmittelbar in der Stadthalle ausgegeben wird, sollen demnach weitere sieben Euro Umsatz außerhalb des Gebäudes entstehen.
Bei den genannten Beträgen handelt es sich um rechnerisch ermittelte wirtschaftliche Effekte. Sie sind nicht mit direkten Einnahmen der Stadt Schweinfurt gleichzusetzen.
Wirtschaftliche Effekte sichern rechnerisch Arbeitsplätze
Von den Veranstaltungen profitieren nach der Analyse nicht nur Gastronomie und Hotellerie. Auch Einzelhandel, Dienstleister, Handwerker und weitere Unternehmen ziehen einen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Betrieb.
Das Gutachten geht von insgesamt 22 sogenannten Einkommensäquivalenten aus. Damit wird dargestellt, wie vielen durchschnittlichen Einkommen die errechneten wirtschaftlichen Auswirkungen entsprechen.
Die Stadthalle wird für Konzerte, Tagungen, Seminare, Kongresse, Bälle, Vorträge, Messen, Firmenveranstaltungen und private Feiern genutzt. Nach Ansicht des Betreibers erfüllt sie damit eine Funktion, die andere Veranstaltungsorte in Schweinfurt nicht vollständig übernehmen können.
Kolping fordert fünf Jahre Planungssicherheit
Kolping hat nach eigenen Angaben signalisiert, die Stadthalle weiterhin weitgehend auf eigenes wirtschaftliches Risiko betreiben zu wollen. Dafür benötigt der Betreiber allerdings Planungssicherheit.
Gefordert wird eine vertragliche Zusicherung, dass das Gebäude in den kommenden fünf Jahren nicht verkauft wird. Nur mit einem verlässlichen Zeitraum könnten Veranstaltungen langfristig geplant und weitere Investitionen vorgenommen werden.
Der notwendige Bauunterhalt am Gebäude müsste weiterhin gesondert geregelt werden.
Verkauf könnte kurzfristig Geld einbringen
Ein Verkauf der Stadthalle könnte der finanziell angeschlagenen Stadt einmalig Einnahmen bringen. Offen wäre jedoch, ob ein privater Käufer das Gebäude dauerhaft als Veranstaltungsort erhalten würde.
Kolping warnt deshalb davor, ausschließlich den möglichen Verkaufserlös zu betrachten. Neben dem kulturellen und gesellschaftlichen Verlust müssten auch die wirtschaftlichen Folgen für Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und weitere Unternehmen berücksichtigt werden.
Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle ist bislang nicht gefallen. Das Gutachten soll nun eine weitere Grundlage für die politischen Beratungen bilden.
