Symbolbild Sozialwohnungen in Schweinfurt – bezahlbarer Wohnraum für Azubis, Studierende und Senioren wird dringend benötigt
Mehr davon: „Herzenssache Wohnungsbau“. Gerade Sozialwohnungen garantieren günstiges Wohnen. Vor allem Azubis und Studierende sind darauf angewiesen. Aber immer häufiger auch Ältere, die sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten können, wenn sie in Rente gehen, sagt die IG BAU Mainfranken. Foto: IG BAU | Nils Hillebrand

Wohn-Schock in Schweinfurt: Azubis bleiben bei den Eltern, Rentner rutschen in Armut

Schweinfurt -

Der Wohnungsmarkt wird zunehmend zum sozialen Brennpunkt – vor allem für junge Menschen in Ausbildung und für ältere Bürger. Eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts zeigt: Bayern benötigt jährlich 18.700 neue Sozialwohnungen. Auch Schweinfurt steht dabei exemplarisch für die wachsende Schieflage.

Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wohnen viele der rund 2.310 Auszubildenden in Schweinfurt weiterhin bei ihren Eltern – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus finanzieller Not. „Eine eigene Wohnung können sich viele schlicht nicht leisten“, erklärt Michael Groha von der IG BAU Mainfranken. Für Jugendliche könne fehlender bezahlbarer Wohnraum sogar dazu führen, dass ein Ausbildungsvertrag gar nicht erst zustande kommt.

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Die Gewerkschaft fordert daher gezielte Förderprogramme für Azubi-Wohnungen – insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Betriebe sollten steuerlich entlastet werden, wenn sie ihren Nachwuchs beim Wohnen unterstützen. Ähnliche Probleme sehen Experten auch bei Studierenden, für die zusätzlicher günstiger Wohnraum dringend notwendig sei.

Doch nicht nur junge Menschen geraten unter Druck. Laut Studie droht in Schweinfurt auch vielen der rund 5.800 Baby-Boomer im Ruhestand eine finanzielle Schieflage. Niedrige Renten, unterbrochene Erwerbsbiografien und steigende Mieten führen dazu, dass ältere Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aufbringen müssen. Die IG BAU spricht von wachsender „Wohnarmut im Alter“.

Seit Jahren kennen die Mieten nur eine Richtung: nach oben. Die Gewerkschaft warnt vor einer weiteren Verschärfung und fordert eine politische Kehrtwende. Mehr Sozialwohnungen seien der Schlüssel, um den Mietmarkt zu entlasten. Ziel müsse es sein, den Bestand bundesweit von derzeit einer auf zwei Millionen Sozialwohnungen zu verdoppeln.

Für Bayern bedeutet das laut „Sozialem Wohn-Monitor“ konkret: Bis 2035 werden 283.700 Sozialwohnungen benötigt. Um dieses Ziel zu erreichen, seien massive Investitionen von Bund und Freistaat notwendig. Fördergelder müssten bereits zu Baubeginn verfügbar sein – nicht erst Jahre später.

Ein weiterer Ansatz ist kostengünstigeres Bauen. Der Baustandard „Erleichtertes Bauen“ könne helfen, schneller und günstiger neue Wohnungen zu schaffen, ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit zu machen. Zusätzlich fordert die IG BAU eine transparente Statistik darüber, wo und wie viele Sozialwohnungen tatsächlich neu entstehen.

Die Studie macht deutlich: Ohne entschlossenes politisches Handeln droht sich die Wohnungsnot weiter zu verschärfen – mit direkten Folgen für Ausbildung, Wirtschaft und soziale Stabilität in Städten wie Schweinfurt.

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