Der Beginn des neuen Ausbildungsjahres rückt näher, doch in Schweinfurt sind weiterhin zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten registriert die Arbeitsagentur aktuell noch 246 offene Ausbildungsplätze. Wer bislang keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat, besitzt deshalb weiterhin gute Chancen auf einen kurzfristigen Einstieg.
„Wer noch keine Ausbildung hat, sollte die nächsten Wochen nutzen. Viele Betriebe sind da flexibel: Auch im Oktober geht oft noch was“, erklärt Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken.
Gewerkschaft empfiehlt Handwerk und Lebensmittelindustrie
Ocak rät Jugendlichen insbesondere zu Ausbildungsberufen im Handwerk und in der Industrie. Vor allem die Lebensmittelherstellung sieht die Gewerkschaft als vergleichsweise krisenfest an.
„Vor allem die Lebensmittelherstellung ist eine krisensichere Sache. Hinter Getränken und Nahrungsmitteln stecken immer Menschen, die sie entwickeln, produzieren, lagern, vertreiben und die vor allem auch die Qualität überprüfen“, sagt Ocak.
Mögliche Einsatzbereiche gebe es beispielsweise in Bäckereien, Brauereien sowie in der Milch- und Süßwarentechnologie. Dort würden Fachkräfte sowohl für handwerkliche Tätigkeiten als auch für technische und organisatorische Aufgaben benötigt.
Künstliche Intelligenz verändert Abläufe
Nach Angaben der NGG Unterfranken spielt künstliche Intelligenz bereits in verschiedenen Bereichen der Lebensmittelproduktion eine Rolle. In einzelnen Bäckereien helfen digitale Systeme beispielsweise dabei, den verbleibenden Warenbestand mit dem voraussichtlichen Bedarf bis zum Geschäftsschluss abzugleichen.
Dadurch lässt sich besser einschätzen, welche Backwaren noch nachproduziert werden müssen. Die eigentliche Herstellung bleibt nach Einschätzung der Gewerkschaft jedoch weiterhin auf qualifizierte Beschäftigte angewiesen.
„Aber das Backen bleibt ein Handwerk. Das ist ganz und gar nicht ‚KI-wackelig‘“, betont Ocak.
Auch beim Materialeinkauf oder bei der Planung von Produktionsabläufen könne künstliche Intelligenz unterstützen. Andere Tätigkeiten erforderten weiterhin menschliche Erfahrung und Fachkenntnisse. Dazu zählen etwa das Einrichten und Warten von Produktionsanlagen, das Überwachen technischer Prozesse sowie die Entwicklung neuer Produkte.
Weiterbildung gewinnt an Bedeutung
Damit Unternehmen neue Technologien sinnvoll einsetzen können, hält die Gewerkschaft regelmäßige Fortbildungen für notwendig. Betriebe müssten dafür sorgen, dass ihre Beschäftigten mit technischen Entwicklungen Schritt halten.
„Denn KI kann nur so effektiv im Betrieb genutzt werden, wie Menschen in der Lage sind, sie optimal einzusetzen“, erklärt der Geschäftsführer der NGG Unterfranken.
Für Jugendliche, die noch eine Ausbildung in Schweinfurt suchen, bedeutet das: Auch kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres bestehen weiterhin Einstiegsmöglichkeiten. Die 246 offenen Stellen betreffen allerdings nicht ausschließlich das Handwerk oder die Lebensmittelindustrie.
